Imponierend: Das „Quartett auf das Ende der Zeit“ von Olivier Messiaens in Rothenditmold

Musikmonument aus dem Krieg

Gestalteten ein Ausnahmekonzert: Jens Ubbelohde (von links), Tianwa Yang, Tatiana Gracheva und Michael Kravtchin. Foto: Schachtschneider

KASSEL. Immer gut für starke Eindrücke sind die Nachtkonzerte in der evangelischen Kirche Rothenditmold. Ein Schlüsselwerk war dort am Samstag in einer hervorragenden Wiedergabe zu erleben: Olivier Messiaens „Quatuor pour la fin du temps“ (Quartett auf das Ende der Zeit).

Es ist ein künstlerisches Monument mitten aus dem Grauen des 20. Jahrhunderts: Messiaen vollendete es 1940/41 als Insasse des Kriegsgefangenenlagers Stalag VIII-A im Süden von Görlitz. Vorangestellt hat der tiefgläubige Katholik seinem achtsätzigen Quartett ein Zitat aus der Apokalypse des Johannes: „Hinfort soll keine Zeit mehr sein.“

Imponierende Energie

Messiaen rockt – so könnte man den Eindruck beschreiben, den der 6. Satz „Tanz der Raserei für die sieben Trompeten“ beim Nachtkonzert hervorrief. Mit imponierender Energie spielten Tianwa Yang (Violine), Tatiana Gracheva (Violoncello), Michael Kravtchin (Klavier) und Jens Ubbelohde (Klarinette) die komplexe Unisono-Linie.

Aber auch die anderen Ausdrucksbereiche wurden superb zum Klingen gebracht. So etwa das Klarinettensolo „Abgrund der Vögel“ mit seiner weiten Dynamik und die geradezu süßen Streicher-Melodien in den Lobpreisungen der Sätze 5 und 8. Kein Wunder, dass die 60 Konzertbesucher das Ensemble heftig feierten.

Hörenswertes gab es auch zuvor: eine Orgeleinstimmung von Peer Schlechta, eine Bach-Sonate mit Gracheva und Kravtchin sowie – grandios – Mozarts „Kegelstatt-Trio“ mit Ubbelohde und den Kasseler Musikakademie-Dozenten Kravtchin und Yang.

Die „unbestrittene Meisterin der Violine“, wie der American Record Guide die chinesische Top-Musikerin nennt, wechselte dabei zur großen Schwester der Geige - und zeigte auch an der Viola ihre außergewöhnliche musikalische Präsenz.

Von Georg Pepl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.