Der Liedermacher Hannes Wader und sein britischer Kollege Allan Taylor traten gemeinsam in Baunatal auf

Musizieren mit Freunden

Zwei Liedermacher, die sich das Träumen nicht verbieten ließen: Allan Taylor (links) und Hannes Wader. Foto: Schoelzchen

Baunatal. Ein kantiger Träumer und Arbeiterkind. Mehr rastlos als ratlos. Ein Grübler und Querdenker, dabei so sozialkritisch wie romantisch – Hannes Wader. Die Bruchstellen in der Gesellschaft und im eigenen Ich waren für ihn stets auch die Baustellen für seine Lieder.

Heute, mit 68, will Wader - so scheint es - nicht mehr kantig sein, sondern nur noch genießen. Die Musik - „bei einer Flasche Wein“ und „mit Freunden“. Den britischen Singer-Songwriter Allan Taylor, kaum jünger als Wader, zählt er nun auch dazu.

Am Mittwoch gaben die beiden in der Stadthalle Baunatal vor 300 Besuchern ein gemeinsames Konzert. Wader und Taylor – beide ließen sich das Träumen nie verbieten. Von Idealen, vom Leben, von der Freiheit. In Baunatal singen sie mal zusammen, mal allein. Mal auf Deutsch, mal auf Englisch.

Es ist ein Konzert, das von der Wärme und Gelassenheit lebt, mit der sie heute auf ihre Erinnerungen schauen. Auf die Lagerfeuer in ihrem Leben, an denen sie sich wärmten, inspirieren ließen oder sich die Finger verbrannten.

Mit Waders Hymne „Heute hier, morgen dort“ geht es los. 1972 erschien sie erstmals. Sie singen es zusammen, halten Blickkontakt, lächeln sich an. Dann ist der Schmuse-Folksänger Taylor dran: „Lost companeros“ singt der promovierte Musikwissenschaftler. Mit viel Hall, Schmelz und Romantik in der Stimme. Von Zigarren, Kuba, Rum und Yankee-Cars erzählt es.

Dann wieder Wader. Mit Augenzwinkern stellt er seine Lieder vor. Sie stammen „aus dem vorherigen Jahrhundert“, betont er und lächelt. „Unterwegs nach Süden“ ist dabei, „Schon so lang“, „Schwester – Bruder“ „Tagtraum“. Ebenso ein Lied des im Mittelalter lebenden Kriminellen und Gossenpoeten François Villon.

„Die alten Lieder liegen mir besonders am Herzen“, sagt Wader. Und die Zukunft? „I am not afraid to die young“ (Ich habe keine Angst, jung zu sterben), witzelt er trocken. Taylors Lieder sind weniger politisch, dafür besitzen sie einen enorm hohen Kuschelfaktor.

Das Publikum war von beiden Poeten hingerissen und applaudierte kräftig.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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