Das Signum-Quartett bei den Musiktagen

Musizieren auf der Überholspur

Fabio di Cásola

Kassel. Wie komplex die Welt der Streichquartette ist, zeigen die Kasseler Musiktage. In den sechs Jahren der künstlerischen Leitung von Dieter Rexroth sind mehr als ein Dutzend Spitzenquartette in Kassel aufgetreten, allein vier in diesem Jahr.

Den Abschluss bildete am Donnerstag das Signum-Quartett im mit 180 Zuhörern ausverkauften Ständesaal. Das renommierte und mehrfach preisgekrönte Quartett mit Kerstin Dill und Annette Walther (Violinen), Xandi van Dijk (Viola) und Thomas Schmitz (Violoncello) ist angetreten, Zeichen (lateinisch: signum) zu setzen. Und wenn die Musiker selbst ein Zeichen tragen müssten, so wäre es der Blitzpfeil „Vorsicht Hochspannung“.

Das galt bei Mozarts letztem Streichquartett, dem „Preußischen Quartett“ F-dur KV 590 vom ersten Takt, genauer: vom dritten Ton, an. Der wurde mit einer starken Betonung versehen und zeigte die Marschroute an: pausenlos hohe Intensität, starke dynamische Akzentuierungen. Im Finalsatz ging das Musizieren auf der Überholspur dann das eine oder andere Mal auf Kosten der Präzision.

Die musikalische Welt Dmitri Schostakowitschs ist die extremer Expressivität. Das Signum-Quartett führte das in der Elegia (einer Paraphrase aus der Oper „Lady Macbeth von Mzensk“) mit gedämpfter Power und in der Polka, dem zweiten Satz der zwei Stücke für Streichquartett, mit ironisch übertriebenem Gestus vor.

Eine neue Farbe kam im Brahms-Quintett für Klarinette und Streichquartett op. 115 hinzu. Der Schweizer Klarinettist Fabio di Cásola ist ein Klangmusiker, der vom lebendigen Piano bis zum strahlenden Forte die Nuancierungen von Brahms’ karger Sehnsuchtsmusik fein ausmusiziert. Schade, dass die Signum-Musiker mit ihrer zu hoch ausgepegelten Dauerspannung die subtilen Passagen der Klarinettenstimme meist überdeckten. Brahms’ Quintett hätte ein ausdrucksmäßig feiner gestuftes Spiel verdient gehabt.

Freundlicher Beifall.

Von Werner Fritsch

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