Tanita Tikaram im Kasseler Kulturzelt

Muster voller Schwermut

Dunkle Stimme: Tanita Tikaram. Foto: Schachtschneider

KAssel. Mit ihrem Lied „Twist In My Sobriety“ gelang Tanita Tikaram 1988 der internationale Durchbruch. Das Stück war auf dem Debütalbum „Ancient Heart“ der damals 19-jährigen Britin und sorgte besonders wegen Tikarams dunkler, sinnlicher Stimme für Furore. Acht weitere, nicht so erfolgreiche Alben, folgten. Ihre Fans sind ihr treu geblieben.

Am Freitag gastierte die Britin, die indische und malaiische Wurzeln hat, im ausverkauften Kasseler Kulturzelt. „Can’t Go Back“ heißt ihr jüngstes Album (2012). Es wurde oft als Versuch interpretiert, vom melancholischen Songimage wegzukommen. Zumindest bei ihrem Konzert im Kulturzelt ist das nicht gelungen. Macht aber nichts. Gerade ihre Stimme, die klingt, als habe sie Schwermut und Melancholie eingebaut, begeistert Tikarams Fans. Viele ältere, aber auch einige neue Stücke präsentierte die im westfälischen Münster geborene und aufgewachsene Künstlerin.

Auf der Bühne lebt die 45-Jährige einen Kontrast. Witzelnd, lächelnd, sprudelnd bei den kurzen Ansagen – schwermütige Hingabe bei den Songs, bei Titeln wie „Cathedral Song“, „World Outside My Windows“ oder „Good Tradition“.

Tikarams Themen sind oft trauriger Natur. Sie singt sie an diesem Abend noch melancholischer, als man es von ihr gewohnt ist. Es geht um Liebe, die nicht erwidert wird, um Brüche und quälende Fragen. Zumeist steht die Künstlerin mit der akustischen Gitarre vorm Mikro, wiegt den Körper, als müsste sie Bodenwellen ausgleichen, manchmal wechselt sie ans Klavier.

Obwohl sie viel Beifall bekommt, mangelt es dem Konzert an Abwechslung. Die Arrangements, die Stimmungsfarben der Lieder, der Klang ihrer Stimme – auf Dauer bekommt ihr Songmaterial etwas Schablonenhaftes. Allein die prächtigen Saxofon- und Klarinetten-Intermezzi von Martin Winning peppen auf.

Bassist Matt Rudfort und Gitarrist Oliver Darlings Gitarre begleiten souverän, aber unauffällig. Nach 70 Minuten, lautstarkem Applaus und zwei Zugaben verabschiedet sich Tanita Tikaram – glücklich lächelnd.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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