Mystik und Adrenalin-Kick

Performance "Vanilla" der Kasseler Kompanie TanzZ temporär

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Getanzte Gefühle: Die Kompanie TanzZ temporär mit ihrer Performance „Vanilla“. Im Bild (von links) Greta Bebenroth, Bettina Paletta, Pamela Hering und Elisabeth Kindler-Abali.

Kassel. Zwischen Beklemmung und Befreiung pendeln die eindrucksvollen Bilder bei „Vanilla“, einer Tanzproduktion, die die Kompanie TanzZ temporär am Sonntag in der bestens gefüllten Halle im Dock 4 präsentierte.

Um die Suche nach dem Kick, dem emotionalen Erlebnis, drehte sich alles. Themen, Botschaften und Inhalte standen aber nicht im Vordergrund, sondern das Erleben und sich Hingeben, die Sinnlichkeit der Wahrnehmung und ihr Ausdruck.

Da passte es gut, dass am Eingang Schlafmasken verteilt wurden, um die Besucher in den ersten Minuten am Sehen zu hindern. So nahm man zuerst nur die Atmosphäre war, den vibrierenden Boden, als die Tänzerinnen rhythmisch aufstampften, vernahm ihr Klatschen, fühlte die Spannung im Raum.

Die vier Tänzerinnen – Pamela Hering, Bettina Paletta, Elisabeth Kindler-Abali und Greta Bebenroth – wirbelten durch ihren Tanzkosmos, mal wie synchron agierende Roboter, mal wie eine menschliche Herde, die die Wärme der Gruppe sucht. Interpretationsmöglichkeiten bot die Performance viele. Da drehten sich die Tänzerinnen wie Verlorene, die keine Erlösung finden, um sich selbst, ließen die Körper zucken, warfen sich zu Boden oder fingen einander auf. Körperspannung, Körpersprache und Ästhetik waren beeindruckend.

Bisweilen beklemmend wirkte der Klangkosmos, in den die getanzten Gefühle eingebettet waren: kalte elektronische Sequenzen, psychedelisch eindringlich, akustisch überdreht, frästen sich in die Ohren. Die Lichtinszenierungen, bei denen auch mit einem Stroboskop gearbeitet wurde, waren ungemein eindringlich, verschmolzen zu teils bedrückenden, teils wunderschönen mystischen Stimmungsbildern. So, als dicker Bühnennebel aufstieg und zu leicht verzerrter, klassischer Klaviermusik den Blick auf eine Tänzerin freigab, die sich wie eine Fantasy-Figur aus den Wolken erhebt.

Fazit: Sinnlich inszeniert, ausdrucksvoll getanzt. Lang anhaltender Applaus.

 

Nächster Termin: Am 27.2., 20 Uhr, Dock 4.

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