Nach 300 Jahren: Barockoper  „Almira“ in Kassel

Probenszene aus „Almira“: Chie Nagai (Studentin der Musikakademie) und als Schatten Tabea Koch (als Gast). Foto: Seemann/nh

Kassel. „Wir sind wahnsinnig stolz“, sagt Dr. Peter Gries, Leiter der Musikakademie, „es ist eine kleine Sensation“, ergänzt Dozent Prof. Gregor Hollmann. Das größte Projekt der Musikakademie in diesem Jahr, der Beitrag zur Kasseler 1100-Jahr-Feier, steht vor dem Abschluss.

Am Samstag erklingt zum ersten Mal nach 300 Jahren die Oper „Almira“ des venezianischen, in Kassel 1722 gestorbenen Komponisten Ruggiero Fedeli.

Fedeli, 1655 geboren, suchte sein Glück nördlich der Alpen, an Höfen in Dresden, Braunschweig und eben bei Landgraf Karl in Kassel. Er war kein Unbekannter - Händels „Almira“ hat den gleichen dramaturgischen Aufbau, Reinhard Keiser an der Oper in Hamburg übernahm Fedeli-Arien. Trotzdem lagen die „Almira“-Noten 300 Jahre im Archiv.

„Schmales Material“, wie Cembalist Hollmann sagt, das die Studierenden erst „lesen“ lernen mussten. Das heißt, es galt, Generalbassstimme und Instrumentierung zu entwickeln, dabei „farbig zu arbeiten“, die Raumakustik zu nutzen, aber gleichzeitig die „barocke Grammatik“ zu erhalten. Die Continuo-Gruppe wurde auf zwei Cembali, Orgel, Laute und ein Schlagzeug aufgeteilt: „Der Lerneffekt ist ganz hoch“, sagt Hollmann, der die über vierstündige Oper mit Regisseurin Sonja Trebes auf eineinhalb Stunden gekürzt hat. Die Kastratenrollen wurden durch Soprane ersetzt.

Die Handlungsfäden voller komplizierter Intrigen und Wirrungen seien „einigermaßen entsponnen“ worden, so Trebes: Almira soll Königin werden, wenn sie einen der Söhne ihres Vormunds Consalvo heiratet. Die machen sich Hoffnung, sie liebt aber einen Angestellten, Fernando. Er entpuppt sich am Ende als leiblicher Sohn Consalvos, alle zwischenzeitlich entzweiten Paare finden sich wieder. Trebes will, von Brigitte Schima (Bühne/ Kostüme) unterstützt, dieses HappyEnd „ein bisschen hinterfragen“. Es gehe um den Schein, „die tolle Fassade, und dahinter brodelt etwas ganz anderes“. Die Gefühle, sagt Trebes, „sind ganz aktuell“.

40 Musiker und Sänger aus 20 Nationen sind beteiligt, fast alle Rollen wurden doppelt besetzt. Gesungen wird auf Italienisch, mit Übertiteln. Möglich werden die Aufführungen unter anderem durch Unterstützung der Landgraf-Moritz-Stiftung und von B. Braun Melsungen. Studierende der Visuellen Kommunikation der Kunsthochschule (Klasse Prof. Bernard Stein) gestalten das Marketing. Es ist ein Projekt, das die Musikakademie an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit bringt, wie Direktor Gries sagt: „Aber es wächst der Teamgeist. Ich sehe zurzeit lauter glückliche Gesichter.“

A-Premiere:  Samstag, B-Premiere Montag, 2.12., Di/Mi, 3./4. 12., jeweils 19 Uhr, Festsaal der Musikakademie. Karten: Tel. 0561/41065, Fax 41066, musikakademie@stadt-kassel.de

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