Gitarrenvirtuose Diknu Schneeberger beim Jazzfrühling in Kassel

Nach vorn sprinten

Höchste Qualität: Diknu Schneeberger beim Auftritt in Kassel. Foto: Malmus

KASSEL. Auf Wienerisch kündigte Diknu Schneeberger an, er werde nach seinem Auftritt „viresprinten“ und CDs signieren. Nach vorn (= vire) sprintete der 24-jährige Österreicher im vollen Kasseler Theaterstübchen auch in musikalischer Hinsicht. Es war ein weiterer großartiger Abend beim glanzvoll besetzten Jazzfrühling des Theaterstübchen-Machers Markus Knierim.

Diknu Schneeberger gilt als Ausnahmetalent, wenn nicht gar als „Jahrhunderttalent“, wie die „Süddeutsche Zeitung“ unlängst formulierte. Der junge Überflieger lässt das ehrwürdige Genre des Gypsy-Jazz frisch und lebendig klingen – mit edelster Gitarren-Virtuosität.

Wunderbar leicht kam seine spieltechnische Brillanz daher, doch genauso beeindruckte seine Sensibilität für Melodien und fein modulierte Töne. Ein ausgewogenes Spiel, keine einseitige Technik-Demonstration.

Überhaupt hatte das Konzert eine Nähe zur Kammermusik, denn Gypsy-Jazz ist eine hochkonzentrierte Angelegenheit. Die Rollen waren klar verteilt. Vater Joschi Schneeberger am Kontrabass und Martin Spitzer an der Rhythmusgitarre, beide ausgezeichnete Musiker, sorgten für das swingende Fundament.

Nur selten gab es ein Bass-Solo, sodass Diknu Schneeberger mit seinen Linien, Akkorden und Verzierungen im Mittelpunkt brillierte.

Natürlich standen auch Kompositionen der Gypsy-Jazz-Legende Django Reinhardt auf dem Programm wie die kühnen chromatischen Sequenzen von „Rhythm Futur“. Ein anderer Klassiker war „Minor Swing“. Diknu Schneeberger legte da im Mittelteil heiße Akkorde hin, an denen James Brown seine Freude gehabt hätte.

Eigene Stücke hatte das Trio ebenfalls mitgebracht – aromatisch wie walzerselig die „Wilde Minze“. Hin und wieder kam ein entspannt wippender Latin-Groove zum Einsatz, und vor den begeistert verlangten Zugaben wurden die Beatles gecovert. Diknu Schneeberger machte das ohnehin sehr schöne „And I Love Her“ zu einer noch größeren Delikatesse.

Von Georg Pepl

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