Nachrichtenrevolution blieb bei "heute +" aus

Nachrichtenfrau der nächsten Generation: Eva-Maria Lemke (Foto) moderiert die neue Nachrichten-Sendung „heute +“, die innovativer sein will. Im Gespräch mit ZDF-Korrespondent Nils Kaben (Foto) erörtert sie die derzeitige Situation der Fifa. Fotos:  zdf-mediathek

Mit dem neuen Format "heute +" wollte das ZDF Nachrichten innovativer und jünger gestalten. Doch nach zwei Wochen auf Sendung lässt sich sagen: Die Nachrichtenrevolution blieb aus.

Innovativer, frischer und crossmedialer als klassische Nachrichtensendungen: Das hatte sich das neue ZDF-Nachrichtenformat „heute +“ auf die Fahnen geschrieben, als es Mitte Mai als Nachfolger von „heute nacht“ auf Sendung ging. Im wöchentlichen Wechsel präsentieren die Moderatoren Daniel Bröckerhoff und Eva-Maria Lemke die „nachrichtliche Revolution“ mit lässiger Ansprache, grafischen Elementen und immer mit Blick auf Facebook und Twitter.

Nach zwei Wochen auf Sendung lässt sich sagen: Schlecht sind die Idee und auch die gestalterische Umsetzung von „heute +“ nicht. Das neue Format ist innovativ, da es Nachrichten mit Videoclips und Erklärstücken in ein ganz neues Gewand hüllt. Die Nachrichtenthemen, meist fünf an der Zahl mit einem Kurznachrichtenblock, sind verständlich aufbereitet und beziehen sich auf das Wichtigste am Tage.

Zudem werden Anregungen der Nutzer aus den sozialen Medien miteingebunden. Auch wählt die Nachrichtensendung nicht mehr nur die klassische Form des Berichts, sondern lebt die Vielfalt der Darstellungsmöglichkeiten ungeniert aus. So wird beispielsweise der IS-Terror aus der persönlichen Sicht des ZDF-Reporters Martin Niessen thematisiert - er studierte einst in Aleppo Arabisch. In einer Art Diashow zeigt er Bilder aus Syrien und berichtet von der Geschichte des Landes sowie von der Zerstörungswut der IS-Terroristen.

Diese Darstellungsform löst Betroffenheit aus. Emotionale Nachrichten, die nicht gleich wieder vergessen werden, sollen die „digital natives“ (Personen, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind) trotz Politikmüdigkeit und Informationsüberangebot wieder für das Tagesgeschehen begeistern, so der fromme Wunsch.

Damit ist auch die hippe Sprache zu erklären, derer sich das Moderatoren-Duo bedient. So ist es laut Bröckerhoff „nicht wirklich prickelnd“, wenn die Daten sämtlicher Bürger gespeichert werden. Und Lemke erzählt zur Sepp-Blatter-Wiederwahl auch gleich den Witz: „Was ist der Unterschied zwischen Gott und Sepp Blatter? Gott hält sich nicht für Sepp Blatter.“

Doch genau diese Lockerheit wird zum Problem des Formats: Es wirkt wenig authentisch, wenn die beiden Moderatoren in dem mit einem Greenscreen ausgestatteten und anschließend digital bearbeiteten Fernsehstudio eine lässige Art imitieren. Besonders Bröckerhoff ist das unnatürlich coole Gebaren deutlich anzumerken. Ein weiteres Manko: Die Sendung kratzt inhaltlich nur an der Oberfläche. Grund dafür ist vermutlich die knapp bemessene Sendezeit von etwa 15 bis 20 Minuten.

„heute +“ ist ein neues und frisches Format, das die Youtube-Generation in ihrer Darstellungsart sicherlich anspricht. Doch für die thematische Aufbereitung ist definitiv noch viel Luft nach oben.

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