Nachwuchspreis First Steps für Läuferfilm aus Kassel

Szene aus „The Long Distance“: Eunice Jelegat Lelei (links) und Siegerin Caroline Kwambai trennten 2014 beim Kassel-Marathon nur vier Sekunden. Fotos: Sager/nh

Berlin/Kassel. Für seine aufwändige Läuferdoku "The Long Distance" hat der Filmemacher Daniel Andreas Sager auch beim Kassel-Marathon gedreht. Nun gab es den Nachwuchspreis First Steps.

Unter den besten Arbeiten junger Filmemacher ist auch ein Film, der in Kassel entstanden ist. Die Läuferdoku „The Long Distance“ von Regisseur Daniel Andreas Sager und Produzent Simon Riedl ist in Berlin mit einem First Steps Award ausgezeichnet worden, einem der wichtigsten Preise für Nachwuchsfilmer.

DER PREIS 

Die von den Produzenten Bernd Eichinger und Nico Hofmann vor 15 Jahren ins Leben gerufene Auszeichnung gilt als der deutsche Nachwuchs-Oscar. Passenderweise siegte in der Kategorie „abendfüllender Spielfilm“ der Psychothriller „Ma Folie“ der österreichischen Regisseurin Andrina Mracnikar, die bei Oscar-Gewinner Michael Haneke („Liebe“) studiert hat.

Die Doku „The Long Distance“ setzte sich in der Kategorie „No Fear“ für besonders riskante Projekte durch. Zweieinhalb Jahre arbeitete Sager an seinem 90-Minüter über kenianische Läufer, drehte in Europa und Afrika - für ungefähr 120 000 Euro. Normalerweise, sagt der 30-Jährige, „würde so ein Film eine halbe Million kosten“. Für seinen Diplomfilm bekommt der Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg, der in Berlin lebt, nun 10 000 Euro Preisgeld.

DER FILM 

Ein Abenteuer war der Film auch deshalb, weil er schon gescheitert war. Dem Protagonisten, dem ostwestfälischen Sportmanager Volker Wagner, hatte der kenianische Leichtathletikverband die Lizenz entzogen. Dann wollten die Afrikaner Sager die Drehgenehmigung entziehen. Der 30-Jährige flog nach Kenia und stimmte die Sportpolitiker noch um.

In Kassel drehte er 2014 beim Marathon das packende Duell zwischen Eunice Jelegat Lelei und Caroline Kwambai. Seiner Filmheldin Eunice fehlten nach 42,195 Kilometern nur vier Sekunden zum Sieg.

DIE LÄUFER 

Heute ist die 29-Jährige zum zweiten Mal schwanger und ihre Sportkarriere damit wohl beendet. Ihr Landsmann Felix Kiprotich (27), den Sager ebenfalls mit der Kamera begleitete, hat nach seinem Sieg beim Marathon in Rennes und einem zweiten Platz in Seoul dagegen ausgesorgt. 75 000 Euro hat er verdient, was in Kenia ein Vermögen ist. Als Sager ihn zum ersten Mal traf, konnte er sich nicht einmal etwas zu essen kaufen: „Er hatte wirklich überhaupt nichts.“

Aber nicht jeder wird glücklich. Die kenianischen Läufer, sagt Sager, haben denselben Traum wie die Flüchtlinge, die übers Mittelmeer kommen. Aber die meisten, so hat er beobachtet, fanden es im fremden und kalten Land mit seinen vielen Zäunen „furchtbar“. „The Long Distance“ ist nicht nur ein Sportfilm, sondern eine Doku über den Traum von einem besseren Leben.

„The Long Distance“: 2. November, 23.55 Uhr, ZDF.  www.thelongdistance.de

Zum Trailer geht es hier.

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