Die nächste Musik-Revolution: Der Streaming-Dienst Spotify

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16 Millionen Songs immer dabei: Dienste wie Spotify laden Musik aus der Datenwolke.

Für Daniel Ek ist Musik wie Wasser. „Sie muss fließen und allgegenwärtig sein“, sagt der Gründer des schwedischen Streaming-Dienstes Spotify.

In dieser Woche hat die Musikwelle seiner Firma nach jahrelangen Verhandlungen mit der Verwertungsgesellschaft Gema auch Deutschland erreicht. Glaubt man den euphorischen Reaktionen im Internet, könnte Spotify zu einer Flut werden, die alle MP3-Dateien und auch die gute alte CD hinwegschwemmt, weil beides niemand mehr braucht.

Die Nutzer laden keine Songs auf ihren Rechner und können auch keine CDs brennen. Sie hören ihre Lieblingslieder per Stream aus der virtuellen Datenwolke des World Wide Web. Die Musik wird nicht gespeichert, sondern ist ständig im Fluss. Mit 16 Millionen Titeln bietet Spotify ein riesiges Angebot, das kostenlos mit Werbeunterbrechungen genutzt werden kann, für 4,99 Euro im Monat werbefrei und für 9,99 Euro auch mobil per Smartphone und mit einer höheren Übertragungsrate (320 Kilobit pro Sekunde statt 160). Die Anmeldung ist nur über Facebook möglich.

Ähnliche Dienste boten bislang auch andere wie das vor drei Jahren in Köln gegründete Start-up Simfy, aber keiner ist so elegant und cool wie Spotify. Schon jetzt haben die Skandinavier weltweit mehr als zehn Millionen Nutzer. Für die Plattenfirmen sei Spotify die zweitgrößte Einnahmequelle mit digitaler Musik, sagt Ek. Seit dem Start in Schweden im Oktober 2008 zahlte seine Firma 200 Millionen Euro Lizenzgebühren an die Musikindustrie.

Ob die aber tatsächlich bei den Künstlern ankommen, ist eine andere Frage. Die Berliner Elektro-Band Body Bill hat den BR-Jugendsender on3 gerade auf ihren Lohnzettel schauen lassen. Von einer verkauften CD für 15 Euro erhält das Trio 2,88 Euro, ein 8,99 Euro teures Album bei iTunes bringt 1,73 Euro ein, aber ein gestreamter Song nicht einmal einen Cent. Für bislang 5200 Abrufe bei Simfy kassierten Body Bill lediglich 6,20 Euro. Bei dieser Musikrevolution fließt also doch nicht alles, manchmal tröpfelt es nur.

Streaming-Dienste im Überblick

Die meisten Streamingdienste bieten zwei Modelle an (kostenlos mit Werbung oder werbefrei und über mobile Geräte für zehn Euro pro Monat). Ein Überblick über die wichtigsten Anbieter.

Spotify: Die Schweden bieten mehr als 16 Millionen Titel an. www.spotify.de

Simfy: Das deutsche Start-up hat ebenfalls mehr als 16 Millionen Titel. Kostenlos kann man nur fünf Stunden pro Monat hören, bei Spotify sind es zehn. www.simfy.de

Rdio: Der Dienst aus Kalifornien hat 15 Millionen Songs. www.rdio.com

Von Matthias Lohr

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