Musikalisch perfekt, aber persönlich blass: Der Volkssänger Heino auf Kirchentournee in Uslar

Nähe gab es nur am CD-Tisch

Zwei deutsche Musikerlegenden: Heino und Franz Lambert (verdeckt) in Uslar. Foto: Jelinek

Uslar. Für die, die ihn nicht mögen, ist er so etwas wie ein musikalischer Gau und nur eine Karikatur seiner selbst. Für seine Fans aber ist er eine Ikone volkstümlicher Bodenständigkeit. „Und sie lieben mich doch“ ist der Untertitel seiner Biografie, und das sagt eigentlich alles über Heino, den Mann mit der schwarzen Sonnenbrille und der blonden, mittlerweile silberweißen Perücke.

Mehr als 50 Millionen Tonträger hat er inzwischen verkauft, aber fragt man, an wen, will es doch keiner gewesen sein. Aber die Zahl steht und Heino nach wie vor auf der Bühne. Mit Franz Lambert, dem populärsten Solisten an der elektronischen Orgel, ist der vom Produzenten Ralf Bendix entdeckte und geformte Künstler auf europaweiter Kirchentournee. Mit dem Programm „Die Himmel rühmen“ und geistlichen Liedern wie Franz Schuberts „Ave Maria“ und russischen Volksweisen war der 71-Jährige am Donnerstag in der zu zwei Dritteln gefüllten Johanniskirche in Uslar zu Gast.

Es war ein Programm, das musikalisch berührte, der Sound stimmte. In den überleitenden Texten gab sich der Künstler besinnlich. Das Alter mag dafür ein Grund sein. Die Texte, mit denen er Gott und das Leben ehrte, verlas er etwas unterkühlt. Stimmlich überzeugte Heino, persönlich blieb er blass.

Ein Hörerlebnis könnte man das Konzert nennen, ein Live-Erlebnis jedoch nicht. Zwei Welten, die eine auf, die andere vor der Bühne, standen sich da gegenüber - eine Brücke zueinander fanden sie nicht. Kein persönliches Wort zum Publikum oder über sich. Es war eine perfekt gestylte Show mit einem Franz Lambert als Randerscheinung.

„Ich mache dieses Programm, um Gott zu danken, dass er mir die Liebe zur Musik erhalten hat“, sagte Heino unnahbar. Persönliche Atmosphäre entstand lediglich bei dem Lied „Das ist mein Lied für dich“, bei dem er zu seiner Frau Hannelore in die zweite Reihe eilte. Lautstarken Applaus gab es dennoch von den Fans, die sich nach dem Konzert die Nähe zu ihrem Idol am CD-Tisch holten.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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