Interview mit John Lee Hooker Jr. - Am Donnerstag im Theaterstübchen

„Name ist ein Geschenk“

Charismatischer Musiker: John Lee Hooker Jr. Foto: privat/nh

Kassel. Ein berühmter Name kann Fluch und Segen zugleich sein. Das weiß auch John Lee Hooker Jr. Natürlich profitiert er heute von dem sagenhaften Ruf seines Vaters. Doch er hat auch die Schattenseiten des Daseins als Sohn einer Legende erfahren müssen.

Bereits als Achtjähriger stand der Filius neben seinem berühmten Papa auf der Bühne, verschwand aber einige Zeit später über viele Jahre aus dem Rampenlicht und lebte zeitweise sogar auf den Straßen Detroits. Erst nach dem Tod seines Vaters vor zehn Jahren und einem Drogenentzug wagte John Lee Hooker Jr. 2004 erneut den Schritt zur eigenen Karriere. Am morgigen Donnerstag, 20 Uhr, gastiert er in Kassel im Theaterstübchen, einer von wenigen Auftritten in Deutschland. Wir sprachen mit ihm vorab.

Mr. Hooker, ist es als Sohn eines der größten Blues-Musiker nicht schwer, sich eine eigene Identität aufzubauen?

John Lee Hooker Jr.: Es war nicht wirklich schwer. Ich habe niemals gedacht, ich könnte genauso sein wie mein Vater. Ich war schon immer mein eigener Herr. Aber dieser Name ist einfach ein Geschenk! Ich fühlte mich niemals verfolgt vom Schatten meines Vaters.

Sie sind mit Blues aufgewachsen. Wer waren Ihre Lehrer?

Hooker: Ich habe alles von meinem Vater gelernt. Er hat mit seiner Musik so viele Menschen glücklich gemacht und sie zum Lachen und Tanzen gebracht. In dieser speziellen Hinsicht wollte ich natürlich schon wie mein Vater sein.

Sie standen früh mit Ihrem Vater gemeinsam auf der Bühne. Dann verschwanden Sie für lange Zeit aus der Musikszene. Was waren die Gründe?

Hooker: In erster Linie waren die Gründe dafür Drogen und Alkohol. Diese Dinge machen einen süchtig und abhängig und es ist sehr schwer, sich von ihnen wieder zu befreien. Aber meine Gebete zu Gott haben mir letztlich geholfen, diese Sucht zu besiegen.

Wo liegen die Gemeinsamkeiten zwischen Ihrer Musik und der Ihres Vaters, und wo sehen Sie Unterschiede?

Hooker: Die Musik meines Vaters war und ist folkloristischer und mehr im Delta-Blues verankert. Mein Vater hatte dieses typisch ländliche ,Down Home-Feeling’ und war ein großer Geschichtenerzähler. Das mache ich zwar auch gern, aber mein Sound ist moderner.

Gerade haben Sie Ihr erstes Live-Album in Istanbul aufgezeichnet. Ein eher ungewöhnlicher Ort für den Blues, oder?

Hooker: Die türkischen Menschen lieben den Blues. Ich wollte, dass die Welt erfährt, wie sehr diese großartigen Menschen in der Türkei den Blues verehren und feiern.

Von Thorsten Hengst

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