Zu Gast im Kulturzelt Kassel

Ein Name wie ein Tippfehler: Der Australier Chet Faker und sein Neo-Soul

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Schon wieder ein Musiker mit so ’nem Bart: Der Australier Nick Murphy alias Chet Faker. Foto: Frieling

Das Glück von Nick Murphy war, dass es noch einen zweiten Nick Murphy gibt. Der eine Nick Murphy war in seiner Heimat Australien als Musiker noch völlig unbekannt, während der andere schon eine stattliche Fangemeinde hatte. Wenn der eine Nick Murphy Konzerte gab, kamen oft Anhänger des anderen und waren enttäuscht, als ein bärtiger junger Mann die Bühne betrat.

Irgendwann benannte sich der unbekannte Murphy um und wählte in Anlehnung an den legendären US-Jazzer Chet Baker das Pseudonym Chet Faker, was so viel heißt wie Chet Fälscher. Der falsche Chet ist nun berühmter als der alte Nick Murphy und einer der aufregendsten Künstler, die es in diesem Sommer im Kasseler Kulturzelt zu entdecken gibt.

Murphys neuer Name ist nicht nur lustig, sondern birgt auch etwas Wahres: Seine leicht nölige Soul-Stimme klingt tatsächlich ein bisschen wie die von Chet Baker. Jedoch nicht nur von ihm lässt sich der 24-Jährige inspirieren. Seine Eltern, so sagt er, haben ihm zwei große Musikvorlieben mit auf den Weg gegeben: Die Mutter hörte Motown-Soul, der Vater hatte chillige Ibiza-CDs in seinem Regal stehen. Auf Fakers Debütalbum „Built On Glass“, an dem der studierte Tontechniker zwei Jahre in einem Kühlhaus seiner Heimatstadt Melbourne gearbeitet hat, hört man nun einen entschleunigten Elektronik-Soul, wie er seit dem Erfolg des Briten James Blake angesagt ist. Warme Fender-Rhodes-Piano-Klänge treffen auf langsame R’n’B-Beats. Manchmal wie in der Single „Talk Is Cheap“ kommt ein Saxofon dazu.

„Future Beat“ nennt Faker seinen Stil. Dabei schien er als Musiker lange keine Zukunft zu haben. Erst als er eine Cover-Version des 90er-Jahre-Hits „No Diggity“ der US-Band Blackstreet aufnahm, wurde er bekannt. Eine Frau, der Faker seine MP-3-Datei geschickt hatte, stellte den Song ins Netz. Wenige Tage später stand er auf Platz eins der Internetseite Hype Machine, eine Art Hitparade der Musik-Blogs.

Sein neuer Name hat sich für Murphy also gelohnt. Der Begriff für die Schublade, in die manche Journalisten seine Musik stecken, ist jedoch nur halb so lustig wie Chet Faker: Zeitgenössischer Soul heißt nun PBR&B, eine Kreuzung aus R’n’B und Pabst Blue Ribbon, einer US-Biermarke, die von jungen und hippen Menschen getrunken wird. Man muss schon einige Promille haben, um sich so etwas auszudenken.

Chet Faker: Built On Glass (Pias/Rough Trade).

Wertung: !!!!:

Chet Faker spielt am 20. August im Kasseler Kulturzelt an der Drahtbrücke. Tickets: HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

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