Die Trickfilmklasse der Kunsthochschule zeigte im Bali-Kino aktuelle Produktionen

Narkose kann schön sein

Warten auf die OP: Die Patienten aus Lea Schönfelders Film „Keine Angst vor Anästhesie“. Fotos: Trickfilmklasse/nh

Kassel. Den ersten Beifall gab es bei der Präsentation der Trickfilmklasse der Kasseler Kunsthochschule am Mittwochabend im Bali-Kino, ehe eine Minute Film gelaufen war: „Wir schaffen in Ausnahmefällen, dass wir einen Professor engagieren können“, sagte Professor Thomas Meyer-Hermann, als er seine Kollegin Martina Bramkamp vorstellte, im Hinblick auf die prekäre Personallage in den Ateliers an der Menzelstraße.

Meyer-Hermann beklagte, dass deren Vorgänger Andreas Hykade nicht gehalten worden sei („Missmanagement, fehlendes Augenmaß“). Die Universität sei „offensichtlich überfordert“ und solle am besten Personal und Finanzen der Kunsthochschule übertragen - donnernder Applaus. Bramkamps Berufung sei indes „Glück im Unglück“. Kompetent und tatkräftig erreiche sie die Studierenden, so Meyer-Hermann.

Wie sich die Trickfilmklasse unter ihrem Einfluss entwickeln könnte, zeigten erste Gruppenarbeiten wie die in einer Nacht entstandenen filmischen Kommentare zur aktuellen Ausstellung im Kunstverein von Martin Werthmann und Slawomir Elsner: experimentelle Langzeitbelichtungen von eigener Faszination.

Weiterer Schwerpunkt sind Computerspiele. Es gab Kostproben und Trailer auf der Leinwand, wie vom lustigen Ute-Spiel, bei dem es für eine Frau darum geht, vor der Ehe so viel Sex zu haben wie möglich. „Am Ende bleibt ein Mann übrig. Den muss Ute heiraten.“ Großer Lacher.

Genial auch Schönfelders Film „Keine Angst vor Anästhesie“, mit dem das Marienkrankenhaus Patienten Angst vor der Narkose nehmen will - mitsamt einem Chefarzt, der wegen des Ferienjobs seiner Tochter in einer Pommesbude so viel Currywurst isst, bis ein Geschwür operiert werden muss, und der bei seinen Kollegen natürlich bestens aufgehoben ist.

Viel schräger Humor also, manche Fingerübung, manch Skizzenhaftes und einige aufwendige, ambitionierte Produktionen wie Florian Groligs Film oder Damian Harmatas ungewöhnliche Kreuzweg-Interpretation „Stationen“: eine Passion von Tieren. Herrlich amüsant Stefan Vogts Kurzfilme, Running Gag des Abends (etwa „Warum mag jeder Würstchen?“), ein Höhepunkt der wunderbar melancholische Beitrag „The day I turned into a ghost“ von Ines Christine und Kirsten Carina Geisser: Bindfadenregen, Blätterfallen, Herbsteinsamkeit.

Filme und Computerspiele auf www.trickfilmkassel.de

Von Mark-Christian von Busse

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