Narr mit Doktorhut: Kabarettist Jürgen Becker beim Sommer im Park

+
Sorgte für Begeisterung in Vellmar: Der Kölner Kabarettist Jürgen Becker.

Vellmar. Wäre jemand am Freitagabend rein zufällig in das Programm von Jürgen Becker gestolpert, er hätte es ein, zwei Minuten lang glatt für den Vortrag eines gewitzten Hochschullehrers halten können.

Der Gelehrte mit Narrenkappe und der Narr mit Doktorhut sind leicht zu verwechseln. Beim Vellmarer Sommer im Park sorgte der Kölner Kabarettist für diese Erkenntnis.

Mit Geist, Witz und Bauernschläue begab sich der 53-jährige auf eine Reise durch die Kunstgeschichte. Von der Steinzeit nach Ägypten, von Griechenland nach Rom und von dort bis zur Gegenwart. 800 Besucher waren dabei. Ob der „Kölsche Jung“ über Gotik oder Barock, über Michelangelo oder Rubens plauderte – sein Programm ist eine wunderbare Verquickung aus Kunstgeschichte, Ironie, Satire und Schenkelklopfern.

Becker setzt dabei nicht nur auf Sprache. Das Fundament seiner köstlichen Erkenntnisse sind Videobilder, die Kunstobjekte, Bauwerke und Gemälde berühmter Künstler zeigen. Ob die Mona Lisa, die ägyptischen Pyramiden, die Büste der Nofretete oder der „röhrende Hirsch“, den „isch bei mir inne Diele hänge hab“, alles wurde zur Beute. Auch das berühmte, stets heftig diskutierte Ölgemälde „Die Jungfrau züchtigt den Jesusknaben“ von Max Ernst - Becker nennt es „Maria versohlt Jesus den Arsch“ - war dabei. Als meterhohe Kopie stand es auf der Bühne.

Zum Einstieg: Tipps für einen Vernissage-Besuch: Fingerfood bedeutet „Scheiße, ich werd‘ hier nicht satt“. Bei der Konversation zu beachten: „Vermeiden Sie, die Rahmen zu loben oder zu fragen: Haben Sie auch Bilder, die zu meinem braunen Sofa passen?“ Und der Zweck von Kunst? „Die Vermehrung“.

Laut Becker schon durch die Steinzeit begründbar: „Wenn die Höhlenbewohnerin sah, dass der Kerl noch Zeit fürs Malen hatte, hielt die ihn für einen ziemlich guten Jäger. Deswegen heißt Kunst im Englischen ja auch Art, die Kurzform von Arterhaltung.“ Riesen Applaus für Unterhaltung der besten Sorte und als Zugabe gab es auch noch Kölsch, das Becker im Zelt verteilen ließ.

Von Steve Kuberczyk-Stein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.