Was uns die Natur erzählt: Barockoper "Los Elementos" bei den Kasseler Musiktagen

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Sanfte Bewegung: Natalia Perelló (Wasser) umgeben von Musikern des Kammerorchesters Louis Spohr.

Kassel. Nicht jede Art von Kunst eignet sich für jeden Ort – und nicht jede Oper ist auf der Theaterbühne am besten aufgehoben. Das wurde bei der Kasseler Premiere der Barockoper „Los Elementos“ deutlich, die nicht im Staatstheater, sondern in der (ausverkauften) Alten Brüderkirche stattfand.

Als Koproduktion der Kasseler Musiktage und des Staatstheaters wurde das gut einstündige Werk des spanischen Komponisten Antonio Literes (1673-1747) in dem gotischen ehemaligen Sakralraum präsentiert, wo es seine ganz besondere Wirkung entfalten konnte.

Steil ansteigende Zuschauerränge auf einem Gerüst ermöglichten beste Sicht von allen Plätzen, und der üppige Nachhall im Kirchenraum verhalf der (ohne Bläser) zart instrumentierten Musik – es agierten lediglich zehn Instrumentalisten – bei aller Subtilität zu klanglicher Fülle.

Ist dieses Stück, das den Titel „Harmonische Oper im italienischen Stil“ trägt, tatsächlich der Gattung Oper zuzuordnen? Man kann sich eine zeitgenössische Aufführung wohl eher als Interludium bei einer höfischen Festivität denn als Theaterereignis vorstellen.

In der Brüderkirche stellt die Schweizer Regisseurin und Choreografin Zenta Haerter die sechs Figuren in einen Naturzusammenhang: Die Elemente Luft (Elizabeth Bailey), Erde (Marta Herman), Wasser (Natalia Perelló) und Feuer (Inna Kalinina) bewegen sich in einer Art Wald, umgeben von Tänzerinnen, die sowohl Naturphänomene (Schlaf, Ermattung) als auch Lebewesen darstellen. Letzteres besonders originell in einer Szene, da die fünf Mitglieder der Tanzschule Sozo Vision in Motion als kleine Vögel agieren (Ausstattung: loud GmbH, Licht: Frédéric Bommart).

Eine Handlung im engeren Sinne existiert nicht, die Elemente zeigen sich in der Dunkelheit der Nacht als verängstigte, aufbrausende, leidende Temperamente, die nichts sehnlicher als den Tag herbeiwünschen, ebenso wie Aurora, die Morgenröte (Anna Nesyba), die zunächst ihre Klage aussingt, ehe der neue Tag freudig begrüßt wird. In der Reihe der allegorischen Figuren werden nur die Sentenzen der Zeit von einer Männerstimme (Cozmin Sime, Bariton) vorgetragen. Auch eine Moral hält das Stück bereit: „Erdulde dein Schicksal.“

Literes’ Musik ist rhythmisch abwechslungsreich, harmonisch mit vielen Sequenzen eher schlicht aufgebaut. Das reizvolle Farbenspiel der fünf Frauenstimmen, mit zahlreichen Koloraturen gewürzt, steht im Zentrum des Werks – eindrucksvoll dargeboten von den Sängerinnen des Kasseler Opernensembles.

Unter der Leitung von Jörg Halubek musiziert das Kasseler Kammerorchester Louis Spohr auf alten Instrumenten ebenso temperamentvoll wie sensibel – mit tollen Soli der Geigerin Katalin Hercegh. In feiner Abstimmung mit der Musik in Bewegung gehalten wird das Spiel von Zenta Haerters einfühlsamer Regie.

Lang anhaltender Beifall für eine Produktion, für die die Kasseler Musiktage den angemessenen Rahmen bilden.

Weitere Termine: Heute sowie am 7. und 10.11., jeweils 20 Uhr. Karten: Tel. 0561-3164500.

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