Murhardsche Bibliothek: Einführung in die Welt des Alchemisten Michael Maier

Von der Natur lernen

Sinnlich: Claudia Schweitzer spielte Cembalo. Fotos: Dietzel

Kassel. Die Materie im Zusammenhang mit Geistigem und Philosophischem zu sehen, das ist es, was frühere Forscher von modernen Wissenschaftlern unterscheidet. Um die Gedanken des Alchemisten und Mediziners Michael Maier (1569 - 1622) zu verstehen, gab es am Mittwochabend in der Landes- und Murhardschen Bibliothek eine anschauliche Präsentation.

Der Chemiker Dr. Rainer Werthmann stellte den mehr als 60 Besuchern in einem zweistündigen Vortrag Maiers Gesamtkunstwerk „Atalanta fugiens“ aus dem Jahr 1618 vor. Er zeigte einzelne der 50 Kapitel, die je aus einem Bild, einem Gedicht, einer zweiseitigen Erläuterung und einem dreistimmigen Musikstück bestehen. Michael Maier behandelt die Bereiche Philosophie, Laborpraxis und die Umwandlung der Metalle. Maier wirkte auch in Kassel: Ab 1618 war er bei Landgraf Moritz als Arzt angestellt.

Dr. Claudia Schweitzer aus Melsungen, Spezialistin für Alte Musik, setzte die Melodien, die die verschiedenen symbolhaften Kupferstich-Bilder darstellen, am Cembalo um. Eine Illustration mit Planeten zeigt zum Beispiel Licht und Schatten, die sich gegenseitig bedingen.

Musikalisch inszeniert bedeutete dies zwei Stimmen in entgegengesetzter Richtung. Jede Fuge in Maiers Werk besteht zudem aus einer dritten Stimme, dem Thema, das die ersten beiden festigt, erklärte Schweitzer.

Der Untertitel von „Atalanta fugiens“ lautet „Neue chemische Embleme über die Geheimnisse der Natur“. Auch eine Gebrauchsanweisung hat der Autor gegeben: Hinsehen, lesen, meditieren, verstehen, beurteilen, singen und hören. So sollen Menschen die Natur wahrnehmen und von ihr lernen. „Der Mensch kann nichts, was die Natur nicht auch kann“, gab Werthmann Maiers Ansichten wieder. Den Veredelungs- und Reifungsprozess von Metallen könne der Mensch zumindest beschleunigen.

Von Stefanie Dietzel

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