Die Nazis sind ein Furz: Die gelungene Groteske „Mein bester Feind“

+
Wie Brüder und doch Feinde: Rudi (links, Georg Friedrich) und Victor (Moritz Bleibtreu).

Darf man eigentlich lachen, wenn jemand als „Judenschwein“ beschimpft wird? Wahrscheinlich kommt es darauf an, wer es sagt. In Wolfgang Murnbergers schöner Tragikomödie „Mein bester Feind“ hat der SS-Mann Rudi (Georg Friedrich) nichts mehr zu lachen.

1942 soll er seinen jüdischen Jugendfreund Viktor Kaufmann (Moritz Bleibtreu) aus dem KZ nach Berlin bringen, wo der Führer dringend eine Originalzeichnung von Michelangelo benötigt, die einmal der Galeristenfamilie Kaufmann gehörte. Als das Flugzeug abstürzt und nur die beiden Helden überleben, schnappt sich Victor die SS-Uniform von Rudi und gibt sich als Nazi aus, während Rudi nun sein Häftling ist. „Du Judenschwein“, schimpft Rudi - da antwortet Victor: „Selber.“

So beginnt das groteske Katz-und-Maus-Spiel, bei dem man über Dinge lachen muss, über die man sonst weinen würde. Der österreichische Regisseur Murnberger, der vor allem mit schwarzem Humor in seinen Wolf-Haas-Verfilmungen wie „Der Knochenmann“ populär geworden ist, hat nun ein Buch eines Wieder Juden adaptiert.

In „Wie es Victor Kaufmann gelang, Adolf Hitler doch noch zu überleben“ ist ein Jude der gewitzte Held. Bei allen Schenkelklopfern, die Murnberger auf die Leinwand bringt, geht es aber auch um Schuld und Verrat.

Ins KZ kommen Kaufmann und seine Eltern (Udo Samel, Marthe Keller), weil Rudi, der als Sohn der Haushälterin quasi zur Familie gehört, sie an die Schergen ausliefert, um Karriere zu machen. Als Rechtfertigung sagt er: „Vielleicht bin ich ein Furz, aber ein Siegerfurz. Ihr Juden seid die Verlierer.“

Die Witzfiguren in diesem Verwechslungsspiel, das an Ernst Lubitschs „Sein oder Nichtsein“ erinnert, sind die Nazis. Als der wie ein Kammerspiel arrangierte Streifen bei der Berlinale lief, monierten Kritiker, dass Bleibtreu für einen KZ-Häftling zu dick sei. Dabei würde Quentin Tarantino auch niemand mangelnden Realismus vorwerfen.

Manche Pointen würden auch in dessen Nazi-Persiflage „Inglourious Basterds“ passen. Etwa die Szene, als die SS-Oberen in den Hosen nachschauen, wer der echte Jude ist. Rudi muss als Erster seinen Penis zeigen und ist tatsächlich beschnitten. Er habe als Kind eine Phimose gehabt, versucht er zu erklären, aber da hört ihm schon keiner mehr zu. In diesem Film hat der Jude die Hosen an.

Genre: Tragikomödie

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: vier von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.