ARD, 20.15 Uhr

NDR-Tatort: Ein Kind als Auftragsmörder

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Alternde Kiezgrößen: Egon Pohl (Christian Redl, links) und Michael Lübke (Michael Thomas) trauern um Pohls getöteten Sohn Johannes.

Ein Mord auf dem Kiez lässt Konflikte des alten und neuen St.Pauli hochkochen. Im NDR-"Tatort" ermitteln Julia Grosz (Franziska Weisz) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) auf der Reeperbahn.

Zögerlich nähert sich der Junge seinem Ziel, unsicher, nervös, in viel zu großen Klamotten. Ein Teenager, höchstens, fast noch ein Kind. Und offensichtlich schon ein Junkie. Scheinbar widerwillig sticht er zu. Verliert auf der Flucht sein Handy. Alles wird von einer Überwachungskamera aufgezeichnet.

So beginnt der NDR- Tatort: Die goldene Zeit“ mit den Ermittlern Julia Grosz (Franziska Weisz) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) von der Bundespolizei. Das Wichtigste zur Ausstrahlung am Sonntag, 20.15 Uhr, im Ersten.

Tatort: Wotan Wilke Möhring als Thorsten Falke

Wer ist dieser Junge, der anfangs zum Mörder wird? Und wen tötet er?

Er heißt Matei Dimescu (Bogdan Iancu), ist erst vor 36 Stunden in Bukarest in einen Bus gestiegen und will sofort wieder verschwinden, steht aber nun ohne Geld und Ticket da – die Fahrkarte ist auf seinem Smartphone. Ein Auftragsmord: Erstochen hat er Johannes Pohl, den Sohn und Erben des „Kiezbarons“ Egon Pohl (Christian Redl), der inzwischen im Altersheim ist.

Nun müssen die Kommissare den Täter finden?

Aber nicht nur sie jagen den Jungen. Auch Michael Lübke (Michael Thomas) ist auf seinen Fersen. Er war mal eine große Nummer auf der Reeperbahn, als Sicherheitschef der Pohls, denen er sich noch immer verpflichtet fühlt. Und eine Art Ziehvater für Falke, der früher als Türsteher jobbte. 

Inzwischen haben „die Albaner“ an Einfluss auf St. Pauli gewonnen, sie haben das Sagen und wollen den Pohl’schen „Lovedome“ – „80 Girls, 14 Länder, 5 Etagen“ – übernehmen. „Die haben ein Kind geschickt, um Johannes abzustechen“, glaubt Lübke.

Tatort: Franziska Weisz als Julia Grosz

Das klingt, als sei Falke befangen?

Das findet auch Kollegin Grosz, der jeder romantisierende oder nostalgische Blick auf die Prostitution fremd ist. Sie sieht das Elend, die Schäbigkeit, die desillusionierten und keinesfalls selbstbestimmten jungen Frauen. Schauspielerin Weisz erzählte im dpa-Interview, dass auf der Reeperbahn selbst gefilmt wurde, mit echtem St. Pauli-Publikum als Statisten. 

Das Team war zu Fuß unterwegs, auch wenn etwas Unkontrollierbares passierte, als beispielsweise ein Hubschrauber kreiste, liefen die Kameras weiter: „Und das trägt dazu bei, dass sich das alles echt anfühlt und dass man den Kiez auch ein bisschen riechen kann, wenn man sich den Film anschaut.“

Und wer hat sich das ausgedacht?

Von einem „Guerilla-Dreh“ spricht die junge Münchner Regisseurin Mia Spengler, Jahrgang 1986, die ein Buch von Georg Lippert inszeniert hat. Der 1982 in Innsbruck geborene Drehbuchautor gewann 2015 für „Sadakat“ einen Studentenoscar.

Lohnt sich das Einschalten?

Ja, vor allem wegen der spannenden Milieuschilderung und toller Schauspieler.

Die TV-Kritik zum Tatort aus Hamburg finden sie hier

Von Mark-Christian von Busse

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