"Nebensätze sind voll daneben" - Debütroman von Hubertus Meyer-Burckhardt

Schrieb bislang nur an Drehbüchern: Der aus Kassel stammende Hubertus Meyer-Burckhardt. Foto: von Foris / nh

Auf Seite 18 des Debütromans von Hubertus Meyer-Burckhardt denkt man noch, „Die Kündigung“ könnte ein packender Thriller werden. Dem Manager Simon Kannstatt ist gerade gekündigt worden. Er versteht die Welt nicht mehr und kündigt seinem Chef per Brief an, ihn dafür liquidieren zu wollen.

„Es wird wie unter Ehrenmännern geschehen“, schreibt er - und schickt ihn dann doch nicht ab.

Die Abrechnung fällt aus. Stattdessen flüchtet dieser Kannstatt, der selbst den Geburtstag seiner Tochter vergisst, in eine surreale Traumwelt und reist seinen Wünschen von einst hinterher. Er fliegt nach New York und trifft einen selbst ernannten Retter des Rock’n’Roll, der nicht weit vom Flughafen Newark einen Plattenladen führt, um „vibrations from all over the world“ zu bekommen. Später lässt der gebürtige Kasseler Meyer-Burckhardt seinen Helden eine „Dürre Runde“ essen, und nach der Wurst gibt es für Kannstatt eine schräge Aufführung seines eigenen Balletts.

Selbst da weiß man nicht genau, was „Die Kündigung“ eigentlich ist. Eine Milieustudie ist das Buch schon deshalb nicht, weil man kaum etwas erfährt über das Leben in der Managerwelt. Klar, Kannstatt fliegt immer Business Class, und die männliche Welt teilt er in „Feuilletonisten“ ein, die nur in Nebensätzen reden, und „Krieger“ wie ihn selbst, die handeln.

Vielleicht ist es eine hübsche Pointe, dass Meyer-Burckhardt eben das in einer bedeutungsschwangeren Feuilletonschreibe erzählt, die nicht auf den Punkt kommen will. Der 54-Jährige ist als Filmproduzent, Medienmanager, Professor an der Hamburg Media School und Talk-Moderator selbst in beiden Welten zu Hause.

Mit „Die Kündigung“ will er erörtern, wo der Mann von heute noch fantasievoll ist. Geschrieben hat er das Buch nachts, zu einer Zeit, als er noch Vorstand bei ProSiebenSat.1 war. Weil sein damaliger Chef Haim Saban in Los Angeles saß, gab es oft zu sehr später Stunde in Deutschland Telefonkonferenzen. Das Warten darauf hat Meyer-Burckhardt zum Schreiben genutzt.

Manchmal war er vielleicht aber auch einfach zu müde. So passiert es, dass er Rothwesten, die Heimat von Kannstatts Bekanntschaft Python, vom Norden in den Süden von Kassel verlegt.

„Die Kündigung“ wäre trotzdem kein Kündigungsgrund. Es bleiben sehr schöne Sätze in Erinnerung. Etwa als Kannstatt gesteht, dass er nur das Resultat der Erwartungen sei, die an ihn gestellt wurden: „Ich habe voller Eifer an dem Drehbuch mitgeschrieben, das die Grundlage zu meinem Lebensfilm ist. Aber ich habe noch nicht mal darauf Einfluss genommen, ob es ein Thriller, eine Komödie oder gar ein Melodram wird.“

Buchdaten:

Hubertus Meyer-Burckhardt: Die Kündigung. Ullstein, 160 Seiten, 18 Euro.

Wertung: drei von fünf Sternen

Hubertus Meyer-Burckhardt liest aus "Die Kündigung" am 25. April, 19.30 Uhr, im Kasseler Staatstheater. Karten: 0561/1094-222.

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