"Nichts versäumt"-Tour

Nena und der Geist der Achtziger: Sängerin begeisterte in der Kasseler Stadthalle

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Ausgelassene Partystimmung: Nena bei ihrem Kasseler Auftritt.   

Kassel. Als Nena alias Gabriele Susanne Kerner vor 35 Jahren ihre 99 Luftballons in den Pophimmel aufsteigen ließ, bedeutete das gleichzeitig den Start einer großen Karriere.

Und es scheint, als würden immer noch einige dieser Ballons in der Stratosphäre umherschwirren, denn bei ihrer aktuellen „Nichts versäumt“-Tour zeigt sich eine quer durch die Generationen durchmischte Fangemeinde extrem begeistert.

So auch am Montagabend in der fast ausverkauften Kasseler Stadthalle. Ein überwiegend weibliches Publikum, welches sich auf das Mitsingen prägnanter Textzeilen bestens verstand, sorgte für ausgelassene Partystimmung.

Aber erst einmal servierte Sänger Jonas Monar ein Tässchen Deutschpop-Kaffee mit reichlich Koffein, der die Zuhörer auf Betriebstemperatur brachte. Einer aus der ertragreichen Klonfabrik der Musikbranche, die alle irgendwie gut, aber auch beliebig klingen. Man kann Lindenberg, Grönemeyer oder Westernhagen finden, wie man will – zumindest klingen sie individuell.

Das kommerzielle Echo der Neuen deutschen Welle spülte damals Nena nach ganz oben und der Geist der Achtziger schwebt auch heute noch über all ihren Kompositionen. Als digital hochfrisierter Chart-Dino muss sie sich mit aktuellen Songs wie „Genau jetzt“ oder „Du bist so gut für mich“ nicht verstecken. Aber die emotionale Einmaligkeit ihrer früheren Hits hat sie mit neueren Produktionen niemals mehr erreicht. Das ist das Schicksal eines jeden Musikers, der genau zur richtigen Zeit den genialen Song liefert. Dann wird auf immer und ewig dieses Lied eingefordert. Dann heißt es, spiel die alten Hits und mach uns glücklich. So auch bei Nena.

Bei „Leuchtturm“ überließ sie das Singen dem Publikum und bei „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ bebte der Saalboden. Die Kombination aus „99 Luftballons“ mit dem Refrain von „Hey Jude“ ließ wildfremde Menschen sich in die Arme fallen und bei „Liebe ist“ rollten bei hochgehaltener Handytaschenlampe die Tränen.

Und zu jeder Zeit war das Bühnenbild ein Foto wert. Exklusiv ausgeleuchtet, mit feiner Videoanimation und einem zupackenden Sound garniert, hatte das Konzert auch eine sinnliche Dimension, die Nena und ihre großartige Band als opulenten, aber nicht protzigen Liveact bestens in Szene setzte. Ein großer Spaß mit kurzweiligem Unterhaltungswert, der auch die ein oder andere schwächere Nummer locker verkraftete.

Als sie dann auch noch für einige Lieder eine kleine Bühne mitten im Saal bespielte, kannte die Begeisterung keine Grenzen. In puncto Vitalität und Spielfreude scheint noch kein Ende in Sicht, und so kann man auch in den kommenden Jahren noch einiges von Nena erwarten. Großer Applaus.

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