Zu nett für einen Star: Lenas Grand-Prix-Nachfolger Roman Lob

Hut ab vor diesem jungen Mann: Zu Hause fühlt sich Roman Lob (21) aus Neustadt im Westerwald am wohlsten. Auf dem Kopf trägt er seit der achten Klasse auch im Sommer immer Mützen, weil er seine Haare nicht leiden kann. Foto: Universal

Am besten hat bisher Roman Lob selbst den Unterschied zwischen sich und seiner Vorgängerin Lena Meyer-Landrut beschrieben: „Sie ist einfach eine coole Sau und hat das Ding für uns nach Hause geholt. Da war der Hype natürlich groß. Bei mir ist es etwas gediegener. Aber ich finde das okay.“  

Manche haben es ja schon vergessen, aber vor zwei Jahren versetzte die Abiturientin aus Hannover mit ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest in Oslo das ganze Land in einen Ausnahmezustand.

Der 21-Jährige  aus dem Westerwald ist so etwas wie Mister Okay. Wenn man unbedingt einen Superlativ für ihn verwenden möchte, könnte man sagen: Roman Lob ist der normalste Popstar Deutschlands.

In Interviews erzählt der angehende Industriemechaniker aus Neustadt (Wied), dass er gerade von zu Hause ausgezogen sei in eine kleine Bude in der Nähe seiner Familie. Und er empfiehlt allen die 5600-Einwohner-Gemeinde, in der er sich so wohlfühlt. Denn: „Wir haben eine super Eisdiele.“ Das ist alles sehr gefällig, aber auch sehr belanglos.

Als er diese Woche zum ersten Mal den deutschen Beitrag „Standing Still“ in der Crystal Hall in Baku probte, war das radikal unspektakulär. Lob bot keine große Choreografie, sondern sang einfach die sehr schöne Midtempo-Ballade aus der Feder des britischen Jazzpop-Stars Jamie Cullum. So etwas muss man sich in diesem Wettbewerb, der traditionell von Rumtatata und viel Getöse bestimmt wird, auch erst einmal trauen. Der Grand-Prix-Experte Stefan Niggemeier urteilte: „Gut gesungen hat er. Und nett auf der Bühne rumstehen kann er auch.“

Lob ist so nett, man könnte ihm noch nicht einmal böse sein, wenn er im Finale am Samstag (ARD, 21 Uhr) Letzter würde. Für den Hobby-Mountainbiker, der am liebsten auf seinem Downhill-Spezialrad die Berge hinunterrast, muss es nach dem Auftritt vor 100 Millionen TV-Zuschauern nicht zwangsläufig bergab gehen.

Aufnahmen in der Eifel

Mit seinem Mentor Thomas D von den Fantastischen Vier hat er auf dessen Hof in der Eifel das Album „Changes“ aufgenommen, das zwar ebenfalls nur ganz nett daherkommt, aber doch viel musikalisches Potenzial erahnen lässt. Als Mann für melodischen Power-Pop könnte Lob, der Schlagzeug und Klavier spielt, es bei "Deutschland sucht den Superstar" 2007 unter die besten 20 schaffte und es auch schon in einer Metal-Band krachen ließ, am nationalen Pop-Himmel zwischen all den Casting-Sternchen weiter strahlen.

Für den internationalen Markt muss Lob noch etwas Englisch pauken, wie er zugibt. Auf der Pressekonferenz in Baku sagte er ständig „Yeah“, wenn er nicht weiterwusste. Manche fühlten sich an frühere Auftritte von Berti Vogts erinnert. Dessen Philosophie, wonach die Mannschaft der Star sei, wendet Lob nun auf den Pop an. Als Star fühlt er sich nicht. Wie sympathisch.

Roman Lob live: 17. Oktober, Musiktheater Kassel. Tickets: HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Matthias Lohr

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