Neuanfang auf High Heels: Die Göttinger Crossover-Band Guano Apes ist wieder da

Auch wenn es nicht so aussieht: Gitarrist Henning Rümenapp (von links), Schlagzeuger Dennis Poschwatta, Sängerin Sandra Nasic und Bassist Stefan Ude können wieder lachen. Foto: Cramer / nh

Vor fünf Jahren war sich Henning Rümenapp sicher, dass es die erfolgreichste Band der Region nie wieder geben würde. Mit den Guano Apes hatte der Gitarrist aus Moringen bei Northeim vor bis zu 10 000 Fans gespielt. Gleich zwei Alben der Göttinger Crossover-Formation schafften es mit Adrenalin-Rock, Rap und Punk bis an die Spitze der Charts. Aber irgendwann konnten sich die Musiker nicht mehr ausstehen.

Schlagzeuger Dennis Poschwatta warf der Sängerin Sandra Nasic vor, abgehoben zu sein und nur noch an das Geld zu denken. Die charismatische Frontfrau sagte hingegen, dass „ich es nicht nur wegen der Kohle machen will, wenn ich mich mit den Leuten nicht mehr verstehe“. Die Guano Apes, die von den drei Jungs schon zu Schulzeiten gegründet wurden, waren am Ende. „Wir mussten getrennte Wege gehen und dachten, es sei ein Schritt für immer“, sagt der 34-jährige Rümenapp heute.

Mittlerweile ist der Streit vergessen. Die Guano Apes rocken wieder, wie sie auf ihrem gerade erschienenen vierten Album „Bel Air“ beweisen. Die Single „Oh What A Night“ haut einem wie immer die Gitarren-Riffs um die Ohren. Ansonsten sind das aber nicht mehr die alten Affen. Nasic trägt nun keine Jeans und Turnschuhe mehr, sondern High Heels und Glitzerkleidchen. Und auf der ein bisschen zu glatt gebügelten Produktion gibt es mehr Synthesizer und auch leisere Momente. „Wir haben immer noch Energie, aber wir kanalisieren sie nun ganz anders“, sagt Rümenapp.

Viel Energie hat die Musiker die Bewältigung der eigenen Geschichte gekostet. Bassist Stefan Ude brachte die Streithähne Ende 2008 wieder an einen Tisch. Kurz zuvor hatte Nasic ihr Solo-Debüt veröffentlicht, die drei Männer hatten mit dem Soulsänger Charles Simmons das Projekt iO gegründet - beides hatte überschaubaren Erfolg.

Die Apes trafen sich, sprachen über sich und die Musik und gingen in den Proberaum. Bereits am ersten Tag hatten sie zwei neue Songs, von denen einer auch auf „Bel Air“ zu hören ist. Ihr neues Zusammengehörigkeitsgefühl testeten die Musiker vor zwei Jahren bei Festival-Auftritten.

Vielleicht klappte es auch deshalb, weil Nasic nun in Berlin wohnt, wo sie mit ihrem Freund ein Café aufmachte, und das Männer-Trio weiter rund um Göttingen. Rümenapp, der in Hannover ein Tonstudio betreibt, lebt mit seiner Familie weiter in Moringen.

Wenn man ihn fragt, ob die Guano Apes sich vielleicht auch deshalb wieder zusammengetan haben, weil ihre anderen Projekte mehr oder weniger gefloppt sind, antwortet er: „Die Liebe zur Musik hat uns wieder zusammengebracht.“ Es klingt selbstbewusst. Dazu passt, dass Nasic auf dem neuen Album singt: „Diesmal werde ich dafür sorgen, dass du dich nicht unsicher fühlst.“

Guano Apes: Bel Air (Columbia / Sony): Wertung: drei von fünf Sternen

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