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Fragen zu Leben und Sterben: Neue Ausstellung im Kasseler Sepulkralmuseum

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Fotograf und Kurator Steffen Baraniak (links) und Jonathan Petzold, bei der Körber-Stiftung für die Ausstellung verantwortlich.
Fragen an das Lebensende: © Andreas Fischer

Im Museum für Sepulkralkultur in Kassel ist die Ausstellung „Dialog mit dem Ende“ angelaufen - eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit der Endlichkeit.

Kassel – Drei Wochen nach dem Ende der documenta fifteen, bei der es einer der 32 Standorte war, kann das Museum für Sepulkralkultur bereits die nächste Sonderausstellung öffnen: Kassel ist die siebte und letzte Station der Wanderausstellung „Dialog mit dem Ende“, die von zwei Stiftungen – Körber und Beisheim – verantwortet wird.

Auf großen, weißen Bannern stehen Fragen, die ans Eingemachte gehen: Was haben Sie in Ihrem Leben verpasst? Ist der Tod das absolute Ende? Möchten Sie gerne ewig leben? Gibt es einen schönen Tod? Möchten Sie selbstbestimmt sterben? Was wäre Ihr letzter Wunsch?

An den Wänden hängen ausdrucksstarke Porträts des Fotografen Steffen Baraniak: die Protagonisten eines Films, für den Baraniak und Filmemacherin Sylvie Hohlbaum mit 15 Menschen zwischen 15 und 97 Jahren über solche Fragen zu Leben und Sterben gesprochen haben. Menschen, die unheilbar krank oder sehr alt sind; die eine Nahtoderfahrung hatten; die ein Kind oder den Partner verloren haben.

Aus teils mehrstündigen Interviews haben sie eine gut 30-minütige, ausgesprochen eindrucksvolle Quintessenz geschnitten, die auf drei Bildschirmen läuft. Dieser Film, das Zentrum der Ausstellung, fordert unweigerlich zur Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit auf.

Auf die Frage, wie sie mit der verbleibenden Zeit umgeht, sagt eine alte Dame: „Im Großen und Ganzen: mehr reden. Wir müssen sowieso alle mehr miteinander reden.“ Weil auch die Ausstellung Sprachlosigkeit überwinden und zum Reden anregen will, hat das Team des Sepulkralmuseums aus seinem regionalen Netzwerk zahlreiche Kooperationspartner gewonnen, die Begleitveranstaltungen organisiert haben. Ehrenamtliche Helfer, gerade auch aus Hospizen, werden für Gespräche in der Ausstellung zur Verfügung stehen. An einer Pinnwand kann man auf Karten seine Eindrücke hinterlassen.

Was ist Glück? Auch dazu äußern sich die Gesprächspartner im Film. Wer den Tod vor Augen hat, freut sich nicht mehr an beruflichem Erfolg oder befasst sich mit Statusfragen. Das sonst eher Belanglose werde wichtig, darin stimmen alle überein: die kleinen Dinge genießen zu können. Jeder Tag habe seine Schätze: „Einfach nur sitzen und in den Himmel schauen.“

Glück sei „wie ein kleines Peng“, sagt die 52-jährige – mittlerweile gestorbene – Sabine Dinkel: „plötzlich da und ganz schnell vorbei“. Sie könne dem Krebs viele flüchtige, schöne Momente abtrotzen. Man entscheide bewusster, mit wem man die begrenzte Zeit verbringen, wofür man die verbliebene Kraft aufwenden wolle. Ewig leben? „Das wäre ja wie eine Verurteilung – lebenslänglich“, sagt die 97-jährige Eleonore Engel.

„Eigentlich geht es um das Leben“, sagt Museumsleiter Dirk Pörschmann. Helle, freundliche Farben prägen die Ausstellung, nicht das Schwarz der Trauer. Wofür sind Sie dankbar? Wofür möchten Sie erinnert werden? Was möchten Sie unbedingt erleben? Auch das steht auf Bannern und Karten. Viel Stoff zum Nachdenken.

Bis 5. Februar, Weinbergstraße 25-27, Kassel, Infos und Programm: dialog-mit-dem-ende.de, sepulkralmuseum.de

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