Neue Biografie über Sophie Scholl

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Das undatierte Archivbild zeigt Sophie Scholl

München - 21 Jahre alt war Sophie Scholl, als sie am 23. Februar 1943 kurz nach ihrem Bruder Hans für das Verteilen von Flugblättern gegen Hitler und den Krieg im Gefängnis München- Stadelheim enthauptet wurde.

Barbara Beuys, bekannt durch Frauen- Biografien und auch den sehr lesenswerten Sammelband “Vergesst uns nicht“ über Bekannte und Unbekannte im Widerstand, hat den Weg der Münchner Studentin von der überzeugten Nazi-Anhängerin in Kindheit und früher Jugend zur Widerstandskämpferin in der “Weißen Rose“ noch einmal nachgezeichnet. Aufregend und neu gegenüber der bisherigen, sehr umfangreichen biografischen Literatur über Sophie Scholl ist die Auswertung von Tagebuchaufzeichnungen der Familie, darunter vor allem von der älteren Schwester Inge Aicher-Scholl (1917-1998). Sie hat ihren schriftlichen Nachlass dem Münchner Institut für Zeitgeschichte überlassen, wo er seit 2005 für Forschungszwecke eingesehen werden kann.

Beuys schildert anhand dieser Quelle sehr detailliert und lebendig, wie Sophie und ihre Geschwister gegen den ausdrücklichen Willen der von Beginn an gegen die Nationalsozialisten eingestellten Eltern lange begeistert bei Hitlerjugend und BDM (Bund Deutscher Mädel) dabei sind. “Bei den Jungmädeln marschierte sie mit radikal kurzem Haar und langer Stirntolle durch Ulms Straßen, ein Hitler-Lied auf den Lippen, die Hakenkreuzfahne voran“, heißt es da über die jugendliche Sophie. Warum alle fünf Geschwister dann kurz vor Kriegsausbruch doch auf die Haltung der Eltern gegen die Nationalsozialisten umschwenkten, wird in diesem behutsam und ruhig formulierten Buch nicht schlüssig beantwortet: “Man muss die Widersprüche stehen lassen, so unbefriedigend es ist“ schreibt Beuys. Interessante Aufschlüsse über die komplexe und widersprüchliche Gedankenwelt Sophie Scholls gibt der Briefwechsel mit ihrem vier Jahre älteren und 2001 gestorbenen Freund Fritz Hartnagel.

Äußerst detailliert stellt Beuys dann Sophie Scholls Mitwirkung in der Widerstandsgruppe “Weiße Rose“ ab 1942 bis zur abschließenden und zur “Widerstands-Ikone“ gewordenen Flugblatt-Verteilung mit dem Bruder Hans in der Münchner Universität dar. Fünf Tage später wird Sophie zusammen mit dem Studenten Christoph Probst zum Tode verurteilt und hingerichtet. Beuys heroisiert ihre Hauptperson nicht. Sie spürt den enormen inneren Spannungen nach, mit denen Sophie Scholl auch ohne die großen Fragen nach Widerstand oder Anpassung zu kämpfen hatte: Soll eine junge Frau ihrem Intellekt oder ihren Gefühlen folgen, soll sie erotischen Wünschen nachgeben oder sich der Askese verschreiben? Selbst vor ihrer Hinrichtung hatte sie keine Zweifel an der Richtigkeit des eigenen Handelns. Auf die Rückseite der Klageschrift, die sie in einem Gestapo-Büro vorgelegt bekam, schrieb Sophie Scholl: “Freiheit.

dpa

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