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Neue Schauspieler in Kassel: Sie wollen das Publikum erobern

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Von: Bettina Fraschke

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Neu im Musiktheaterensemble: Clara Soyoung Lee (Sopran, von links), Stefan Hadzˇic (Bariton) und Ilseyar Khayrullova (Mezzosopran).
Neu im Musiktheaterensemble: Clara Soyoung Lee (Sopran, von links), Stefan Hadzˇic (Bariton) und Ilseyar Khayrullova (Mezzosopran). © Malmus, Pia

Neue Bühnenkünstler für Oper und Schauspiel haben am Kasseler Staatstheater begonnen. Wir stellen die Ensemblemitglieder vor.

Kassel – Auf den Bühnen des Kasseler Staatstheaters sind neue Gesichter zu sehen, neue Stimmen zu hören. Doch wer sind die neuen Darstellerinnen und Darsteller?

Danai Chatzipetrou aus Bonn wuchs in Athen auf und besuchte in der deutsch-griechischen Schule extra die griechischsprachige Theater-AG, nicht die deutsche, weil der Lehrer so ernsthaft war. Fünfstündige Probenphasen, wer tuschelt, auf den wird ein Schlüssel geworfen. „Viele von uns sind daraufhin professionelle Schauspieler geworden“, sagt sie, das mache sie stolz. In ihrer Akademikerfamilie war so eine Laufbahn aber undenkbar, so hat Danai Chatzipetrou Psychologie studiert und ihren Master in London gemacht. „Ich fand die Vorstellung aber ganz schrecklich, mit 40 festzustellen, eigentlich hätte ich Schauspielerin werden wollen.“ So hat sie sich an Schauspielschulen beworben. In ihrer Masterarbeit über Trainingsmethoden für Unternehmen konnte sie schon Theaterthemen einbauen. Den Menschen als Ganzes zu sehen, ein tiefes Wissen darüber zu haben, dass jeder dasselbe Ereignis anders wahrnimmt: In solchen Fragen hilft ihr heute der psychologische Background. Und: „Schauspieler müssen immer ihre Figur verteidigen.“ Als Nächstes ist sie im Winterstück „Peterchens Mondfahrt mit Anneliese“ zu sehen. Sie freut sich: „Kinderlachen berührt so tief, das ist wie Engelslachen“, sagt sie, und hat zugleich großen Respekt vor dem jungen Publikum. Ihr Ziel: Nicht Geschlechterstereotype fortschreiben, sondern ein cooles Vorbild für Mädchen sein – und vielleicht auch das Mädchenbild von Jungs mit verändern. Wie spielt man ein Kind? „Nur über meine kindliche Seite, ich kann nicht äußerlich ein Kind spielen.“

Clara Soyoung Lee stammt aus Seoul (Korea) und hat dort im Kinderchor angefangen zu singen. „Aber ich habe nie in Erwägung gezogen, eine professionelle Laufbahn einzuschlagen. Dann hat sie eine Freundin zu deren Gesangsunterricht begleitet und erlebt, wie schön eine Gesangsstimme klingen kann, „dass ein Körper solche Töne erzeugen kann“. Ihre Eltern haben zum neuen Berufswunsch erstmal Nein gesagt. Mit ihrer Mutter hat sie dann einen Deal gemacht: Sie singt bei drei Lehrern vor und wenn einer ihr die Zusage gibt, machen die Eltern mit. Ende vom Lied: Ihre Mutter hat sie beim ersten Vorsingen gehört und direkt zugestimmt, dass Clara Soyoung Lee Sängerin werden kann.

Nach einer Kinder- und Familienpause habe sich ihre Stimme verändert. Heute fühlt sie sich wohl als lyrischer Sopran. „Das war eine richtige Entscheidung, die Emotionen, das Lyrische, das passt gut zu mir. Besonders freut sie sich deshalb auf die Partie der Pamina in der „Zauberflöte“. Im „Ring“ wird sie in Partien wie Waldvogel und Woglinde zu erleben sein.

Stefan Hadzˇic hat schon als Vierjähriger Klavier gespielt, „das war mein Leben“, er sang zwar in seiner serbischen Heimatstadt Belgrad in Chören, begann dann aber ein Klavierstudium in Wien. Dort hat ein Lehrer ihn auf dem Hof beiläufig etwas lauter singen gehört und hat ihn sofort einbestellt, um ihn genauer zu prüfen. Das hat die Weichen neu gestellt. Alsbald war Stefan Hadzˇic an den Operngesang verloren.

Der Kasseler Saisonauftakt mit der Partie des Lindorf und anderer Bariton-Partien in „Les Contes de Hoffmann“ sei für ihn ein „Traum“ gewesen. Ebenso freue er sich auf die Partie des Fürst Jeletzkij in Tschaikowskys Oper „Pique Dame“. Dessen große Arie habe er mal von dem berühmten Dmitri Hvorostovsky gehört – und war für immer bezaubert. „Ich habe davon geträumt, das einmal singen zu dürfen“, sagt er.

Ilseyar Khayrullova stammt aus Kasan in der Republik Tatarstan in Russland. In der tatarischen Kultur spiele Gesang eine große Rolle, „wir singen eigentlich immer, ob wir fröhlich oder traurig sind“, sagt sie. Als Beruf wurde in ihrer Familie die Musik aber nicht ernst genommen, und so hatte sie den Wunsch, Medizin zu studieren und Ärztin zu werden.

Weil die kleine Ilseyar aber so eine schöne Stimme hatte, haben viele Menschen ihre Eltern angesprochen, sie solle doch etwas mit Musik machen, ihr Opa hat schließlich den Ausschlag gegeben. Sie studierte Gesang in St. Petersburg und wurde im Anschluss an die Wiener Staatsoper eingeladen. „Als dramatische Mezzosopranistin mit eher dunkler Stimme haben alle zu mir gesagt, ich solle noch warten mit bestimmten Partien.“ In Wien hat Khayrullova unter anderem die Fenenna in „Nabucco“ gesungen. „In Kassel kommen jetzt die größeren Partien.“ Etwa die Fricka im „Ring“ („Wagner und Verdi sind meine Lieblingskomponisten“) und ab Dezember die Gräfin in Tschaikowskys „Pique Dame“.

Neu im Schauspielensemble: Danai Chatzipetrou.
Neu im Schauspielensemble: Danai Chatzipetrou. © PIA MALMUS

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