Auf Schnitzeljagd im Museum

Neue Galerie Kassel: Werke früherer documenta-Ausstellungen zu sehen

Publikumsliebling: Romuald Hazoumés Boot „Dream“ (d12).

Kassel. In der Sprache der Wirtschaft würde man sagen: Das Unternehmen Neue Galerie hat sich nach Inventur und Renovierung neu aufgestellt und rückt zur Neupositionierung am Markt seine Kernkompetenzen in den Mittelpunkt.

In dem nach der documenta 13 wieder eingerichteten Museum zeigt die neue Leiterin Dorothee Gerkens als erste Sonderausstellung Erwerbungen früherer Weltkunstausstellungen.

Das ist ein kluger Schachzug. Denn die Geschichte der documenta anhand von Kunstwerken und Modellen erzählen zu können, macht gewissermaßen ein Alleinstellungsmerkmal des Kasseler Museums aus.

Im November 2011 war die umgebaute Neue Galerie nach fünfjähriger, fast 25 Mio. Euro teurer Generalsanierung eröffnet geworden. Vorigen Sommer bezog die d13 das Obergeschoss. Nun feiert das Museum unter neuer Leitung also „Wieder-Wiedereröffnung“, indem der Fokus auf die Sammlung gelegt wird. Dort bilden Ankäufe aus documenta-Ausstellungen einen Schwerpunkt, seit 1982 Stadt Kassel und Land Hessen erstmals Geld dafür bereitstellten, documenta-Kunst für Kassel zu sichern. So gibt es jetzt ein Wiedersehen mit dem Publikumsliebling der d12, dem Boot aus Ölkanistern von Romuald Hazoumé, aber auch mit dokumentarischer Fotografie von Bernd und Hilla Becher (eine Hochöfen-Serie der d7) oder einer Fotoarbeit von Richard Hamilton (d10).

Wie ein einsamer Körper im Nichts: Antony Gormleys Figur „Free Object d8“ aus dem Jahr 1987 liegt auf dem Boden.

Verbindungslinien der Arbeiten untereinander will Leiterin Gerkens herstellen, Bezüge zur Sammlung aufzeigen. Zwei thematische Schwerpunkte hebt die promovierte Kunsthistorikerin hervor. Sie werden beim Rundgang deutlich: die Auseinandersetzung mit Geschichte und die Frage nach Möglichkeiten und Grenzen des Dokumentarischen. Dafür steht etwa auch Clemens von Wedemeyers Breitenau-Film, bei der d13 im Kulturbahnhof zu sehen.

Die 36-Jährige hat bei der Einrichtung neue Akzente beispielsweise insofern gesetzt, als es nun einen Raum ausschließlich mit Malerei der documenta 1982 gibt. Mit dem berühmten „Rudel“ des prägenden documenta-Künstlers Joseph Beuys korrespondieren in dessen Vorraum zurzeit eine Reihe seiner Multiples, die ebenfalls auf die documenta-Geschichte verweisen. Zwei 2012 angekaufte Arbeiten, Willie Dohertys Videoarbeit (der erste Film in der Dauerausstellung überhaupt) sowie Michael Rakowitz’ Steinbücher aus Afghanistan, ergänzen diese dauerhaft.

Die Schau im Untergeschoss hat Gerkens auch dadurch mit der Dauerausstellung verknüpft, dass alle documenta-Beiträge in der Sammlung mit Aufklebern versehen sind. So kann jeder Besucher im ganzen Haus auf Schnitzeljagd nach documenta-Spuren gehen.

Die documenta-Erwerbungen im Untergeschoss der Neuen Galerie, Schöne Aussicht 1, sind bis 25.8. zu sehen (Di-So, Feiertage 10-17, Do bis 20 Uhr).

Eintritt: 6 Euro, Studenten 2 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 frei.

Infos: Tel. 0561/31680-444, www.museum-kassel.de. Besucherdienst und Führungsbuchung: Tel. 0561/31680-123.

Von Mark-Christian von Busse

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