Neue Galerie würdigt  Maler Hubertus Giebe in einer Kabinettausstellung

Geschenk für Kassel: Hubertus Giebes Gemälde „Diogenes (nach Jordaens)“ (2012). Foto: Heselbarth/MHK

Kassel. Hubertus Giebe (62), der zurzeit in der Neuen Galerie vorgestellt wird, ist in Kassel kein Unbekannter. Der Dresdner war 2013 an der Begleitausstellung „Jordaens und die Moderne“ zur großen Jordaens-Schau im Fridericianum beteiligt.

Sein dafür entstandenes großformatiges Gemälde „Diogenes (nach Jordaens)“ hat Giebe der Museumslandschaft Hessen Kassel geschenkt. Sämtliche Studien für die Komposition hatte er der MHK bereits übereignet. So ist die Giebe-Präsentation auch eine Form, dem Künstler Dank zu sagen.

Die Anfrage, sich mit Jordaens zu beschäftigen, hatte bei Giebe einen wahren Energieschub freigesetzt, berichtet MHK-Direktor Prof. Dr. Bernd Küster. Der Künstler befasste sich mit Jordaens’ (1593-1678) Großformat „Diogenes mit der Laterne, auf dem Markt Menschen suchend“, das die Dresdner Gemäldegalerie jedoch nicht nach Kassel verliehen hat. Diogenes sucht am helllichten Tag mit einer Laterne den „wahren Menschen“ – in Giebes kraftvoll-expressiver Fassung erblickt er Gewalt, Blut, Hässlichkeit, Chaos. Ein Martyrium der Menschheit.

„Die Sprache der Malerei“, der Titel dieses „Auszugs einer Werkschau“, wie Küster sagt, bezieht sich darauf, dass Giebe tief in der Tradition wurzelt und auf der Sprachfähigkeit der Malerei beharrt, ihre Wertigkeit neu vermitteln will. Mit immer wiederkehrenden Symbolen – Andreaskreuz, Rad, Hammer und (Mond-)Sichel, Skelett und Totenkopf – hat er zudem eine ganz eigene Bildsprache entwickelt. Giebe selbst spricht von „Geschichtsbildern“. Doch darin wird nicht der große, der einmalige historische Moment festgehalten, sondern eher ein pessimistisches Menschenbild geäußert.

Gleichzeitig sei Giebe der großzügigste und unprätentiöseste Künstler, so Küster – so belesen wie bescheiden. Er glaube unerschütterlich an die Freiheit der Kunst, passe auch selbst in kein System.

Geboren 1953 in Dohna, im Erzgebirge aufgewachsen, ging Giebe nach Dresden, um Maler zu werden, brach aber sein Hochschulstudium ab und schulte sich stattdessen an den Originalen im Kupferstichkabinett, an Werken von Beckmann, Dix oder Kokoschka. Später war er Meisterschüler bei Bernhard Heisig in Leipzig. Ab 1988 leitete er an der Dresdner Akademie selbst eine Meisterklasse für Malerei und Grafik, schied aber nach drei Jahren wieder aus. Es schmerze Giebe, so Küster, dass jahrhundertealte Traditionen wegbrächen, dass an vielen Akademien nicht mal mehr richtig zeichnen gelehrt werde.

„Giebe ist immer den schwierigen, den steinigen Weg gegangen“, sagt Küster. Auch diese konsequent nonkonforme Haltung, gegen alle Reglementierungen zu rebellieren, sich von einer Event-Kultur und vom aufgeregten Kunstmarkt fernzuhalten, will die Ausstellung würdigen.

Bis 29. Mai, Schöne Aussicht 1 Infos: www.museum-kassel.de Einblicke in die Ausstellung gibt Volontärin Linnea Streit am Mittwoch, 12.30 Uhr, in der Kunstpause in der Neuen Galerie.

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