Die Neue Galerie zeigt den Kasseler Maler Heinrich Faust

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Eine Traumwelt: Heinrich Fausts „Florentinische Kinder“ (1886, Ausschnitt) geben sich gebannt der Musik hin.

Kassel. Am Ende der Kabinette im Erdgeschoss der Neuen Galerie hängt auf der Weinberg-Seite gewöhnlich das monumentale Gemälde „Tod der Kleopatra“. Dass es zurzeit die Kleopatra-Schau in der Bonner Bundeskunsthalle schmückt, gibt Museumsleiterin Dr. Dorothee Gerkens Gelegenheit, bis 13. Oktober an prominenter Stelle einen vergessenen Kasseler Maler des 19. Jahrhunderts zu zeigen: Heinrich Faust.

Faust (1843-1891) steht für einen alle Sinne ansprechenden Ästhetizismus. Seine Bilder orientieren sich nicht an der historischen Realität oder - wie der Impressionismus - an der physiologischen Wahrnehmung, sondern Faust wollte mit poetischen Mitteln Stimmungen erzeugen, ja eine Traumwelt entwerfen, wie Gerkens und die neue Volontärin Kazusa Haii erläutern. Er spiele mit der Verbindung von Literatur, Musik und Malerei, wenn etwa am „Italienischen Musenhof“ eine adelige Dame mit Begleiterinnen dem Dichter Boccaccio lauscht. Überhaupt hat es Faust das Edle und Üppige angetan: Gold, Perlen, Putti, Blumen. Auf dem Gemälde „Florentinische Kinder“ spielt ein Knabe Laute, der Klang und der Duft von Lilien seien fast wahrnehmbar, meint Gerkens. Wie eine Melodie ziehe sich oft ein tänzerischer Schwung durch seine Bilder. „Sinnlichkeit und Allegorie“ hat sie die Präsentation betitelt.

Neunjährig war der in Reinsdorf (Schaumburg) geborene Faust nach Kassel gekommen, wo er an der Akademie studierte. Stipendien führten ihn nach Antwerpen und für Jahre nach Italien, ehe er ab den 1870er-Jahren als freier Künstler wieder in Kassel lebte. Makart war für ihn als Vorbild ebenso von Bedeutung wie Arnold Böcklin. Malerei, die die Avantgarde als kitschig und süßlich verschmähte, die aber zuletzt wieder - auch in Ausstellungen - viel Beachtung erfuhr.

Faust war ein beliebter Porträtist der Kasseler Gesellschaft, 21 seiner Gemälde - auch eine der wenigen Landschaften, der düstere, fast symbolistische „Spätherbst im Walde“ - und Grafiken gehören zur Sammlung.

Von Mark-Christian von Busse

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