Die neue Grimmwelt soll mehr als ein Museum sein

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Die neue Kasseler Grimmwelt soll Kinder ebenso ansprechen wie Experten der Sprachforscher und Märchensammler. Die Kuratorin erläutert die Ausstellung, die nicht mit A beginnt, sondern mit Z.

Kassel. Die neue Kasseler Grimmwelt muss einen Spagat schaffen. Die Erlebniswelt auf dem Weinberg soll Familien ebenso ansprechen wie Kulturinteressierte, Laien genauso wie Grimm-Experten. Konzipiert wurde die Ausstellung von den Berliner Kuratorinnen Annemarie Hürlimann und Nicola Lepp. Bei einem Besuch in der Grimmwelt erläuterte Lepp (53) ihr Konzept.

Nicola Lepp über die Recherche: Ich bin mir sicher, dass wir keine gute Ausstellung gemacht hätten, wenn wir drei Grimm-Spezialisten im Team gehabt hätten. Wir sind Kulturwissenschaftler und mit der Literaturgeschichte vertraut. Trotzdem sind wir 2013 erst einmal in die Bibliothek gegangen und haben mehrere Bücher gelesen. Fünf Monate lang haben wir zu viert am Konzept gearbeitet, Ideen entwickelt und uns Rat bei Experten geholt.

Über das Konzept der Dauerausstellung: Leitspur sind 26 Buchstaben aus dem Wörterbuch der Grimms. Die Ausstellung ist nicht von A bis Z, sondern thematisch geordnet. Los geht es mit Z wie Zettel. Denn alles, was die Grimms geschaffen haben, kommt aus Zetteln und Büchern. Die Welt der Sprache bildet den Einstieg in die Ausstellung. Es folgt die Welt der Fantasie, in der nicht nur Kinder die Märchen erleben können. Dritter Teil ist schließlich die Lebenswelt der Brüder Grimm.

Über die Einteilung der Ausstellung: Die Unterteilung mit Buchstaben hat mehrere Vorteile: Für Schulklassen kann man etwa einen speziellen Kinder-Parcours einrichten. Und man kann mit der Zeit einzelne Buchstaben austauschen, ohne alles überarbeiten zu müssen. In unserer schnelllebigen Zeit veralten Dauerausstellungen wahnsinnig schnell.

Über den Begriff Mitmachmuseum: Die Grimmwelt soll nicht nur ein didaktisches Museum zur Wissensvermittlung sein. Wir wollen das vielfältige Geschenk, das die Grimms hinterlassen haben, erfahrbar machen. Es wäre aber zu eindimensional, wenn man das Haus aufs Mitmachen reduzieren würde. Es gibt auch Stationen zum Zuhören und klassische Museumsexponate. Zudem haben wir viele historische Dokumente digitalisieren lassen. Handschriftenkenner können sich da tagelang vertiefen.

Über den hessischen Dialekt: An einer Station lesen Laien und Schauspieler „Rumpelstilzchen“ in 28 Sprachen und Dialekten. Die Kasseler haben uns darauf hingewiesen, dass wir bloß keinen südhessischen Dialekt auswählen sollen. Mir war nicht bewusst, dass das so ein heikles Thema ist.

Über Verhandlungen mit dem Disney-Konzern: An einer Station kann man Märchenverfilmungen aus 120 Jahren sehen. Disney wollte für zweieinhalb Sekunden aus der „Schneewittchen“-Verfilmung allerdings 3000 Euro haben. Das war zu teuer.

Bis zur Eröffnung der Kasseler Grimmwelt am 4. September auf dem Weinberg veröffentlichen wir regelmäßig Beiträge zum Leben und Werk der Brüder Grimm.

Zur Person

Geboren: am 20. Juni 1962 in Münster Ausbildung: Studium der Europäischen Kulturwissenschaft und Christlichen Archäologie in Erlangen und Tübingen. Volontariat als Restauratorin am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Karriere: Lepp war unter anderem Kuratorin am Deutschen Hygienemuseum Dresden. 2012 gründete sie ihr Büro für neues Ausstellen sowie mit Annemarie Hürlimann die Arbeitsgemeinschaft „hürlimann + lepp“, deren Team die Grimmwelt konzipiert. Lepp ist Professorin für Kulturvermittlung an der Fachhochschule Potsdam. Privates: Lebt in Berlin.

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