Neue Horizonte: Martin Forciniti spielt jüdische Orgelmusik in St. Elisabeth

An der neuen Bosch-Orgel von St. Elisabeth: Martin Forciniti. Foto: Zgoll

Kassel. Es erweiterte auf stimmungsvolle Weise den kulturgeschichtlichen Horizont: Jüdische Orgelmusik eröffnete am Mittwoch die neue Konzertreihe „Im Atem der Zeit“, die von den Kasseler Musikverlagen Merseburger, Pan und Furore zusammen mit der Elisabethkirche und dem Kasseler Kulturforum veranstaltet wird.

„Diese Kirche möchte eine Kirche des Dialogs sein“, sagte Marcus C. Leitschuh als Vertreter der Elisabethgemeinde, und auch Musikverlegerin Renate Matthei wies auf den Symbolwert dieses Konzerts hin: „Eine Orgel aus einer evangelischen Kirche in einer katholischen Kirche mit jüdischer Musik.“

Martin Forciniti musizierte an der denkmalgeschützten Bosch-Bornefeld-Orgel, mit der man das einzigartige Ereignis der Kasseler „Orgelwanderung“ verbindet: 1964 war das Instrument in der Martinskirche errichtet worden, im vergangenen Mai wurde es feierlich in der Elisabethkirche eingeweiht.

Der Kasseler Organist hat beim Merseburger-Verlag schon mehrere Bände mit Synagogalmusik für Orgel solo herausgegeben, und er erwies sich auch als kompetenter Interpret dieser wenig bekannten Musik.

Bei drei jüdischen Komponisten des 19. Jahrhunderts - Moritz Deutsch, Josef Löw und Louis Lewandowski - gab es spannende Entdeckungen, etwa als in einem Präludium von Deutsch Anklänge an das Genre des protestantischen Choralvorspiels mit alten Synagogen-Intonationen verschmolzen. Viel Charme hatten die elegisch-verträumten Charakterstücke Löws, der ein riesiges Gesamtwerk geschaffen hat.

Ergänzend las die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Kassel, Ilana Katz, aus dem Buch „Von Kassel nach Haifa: Die Geschichte des glücklichen Juden Hans Mosbacher“ von Eva Schulz-Jander.

Die 200 Zuhörer nahmen den Abend mit herzlichem Beifall auf.

Von Georg Pepl

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