Der neue Kabarettstar des ZDF: Max Uthoff im Interview

Einen besseren Titel für sein Programm hätte der großartige Kabarettist Max Uthoff nicht finden können. Mit „Oben bleiben“ gastiert der Münchner am Samstag an der Kasseler Uni.

Im Februar übernimmt er mit seinem Kollegen Claus von Wagner das ZDF-Format „Neues aus der Anstalt“ und wird damit Nachfolger von Urban Priol und Erwin Pelzig. Der 46-Jährige ist jetzt ganz oben.

Herr Uthoff, Sie haben schon vor zwei Jahren eine Trauerrede auf die FDP gehalten, die mit den Worten endete: „Um Himmels Willen nicht wiederkommen.“ Sind Sie jetzt froh?

Max Uthoff: Ich bin heilfroh - obwohl ich die FDP als Kabarettist noch vermissen werde. Sie ist wie eine satirische Berufsunfähigkeitsversicherung. Wenn das Hirnkasterl leer ist, schaut man einfach nach, was ein FDP-Politiker zuletzt so gesagt hat. Spätestens dann fällt einem was ein.

Im Wahlkampf ging es weniger um die Euro-Krise oder den Klimawandel, sondern um Dinge wie den Veggie-Day. Wird man bei dieser Realsatire als Kabarettist nicht verrückt?

Uthoff: Ja, aber nicht mehr als sonst. Die meisten Menschen, die viel Fleisch essen, wissen, dass es weder für sie noch für die Umwelt gut ist. Sie wissen auch, dass es den Tieren dabei nicht gut geht. Genau das macht sie so empfindlich. Dann schreien sie auf wie der schon etwas senile Hellmuth Karasek bei Markus Lanz, als er rumposaunte, es sei eine Frechheit, wenn die Grünen ihm das Fleisch verbieten.

Sie stammen aus einer Theaterfamilie, haben dann aber Rechtswissenschaften studiert. Was kann man als Jurist für die Bühne lernen?

Uthoff: Jurist zu sein, bedeutet, über Dinge zu urteilen, von denen man kaum etwas versteht. Von daher ist es nur ein kleiner Schritt zum Kabarett. Als Jurist lernt man, bei Texten genauer hinzusehen. Das ist hilfreich, wenn man Zeitungen liest. Zudem lernt man als Jurist, Souveränität vorzutäuschen. Häufig kommt ein Mandant in die Kanzlei und erzählt von einem Fall, von dem man null Ahnung hat. Das darf man sich aber nicht anmerken lassen. Man sagt also: „Gar kein Problem. Sie sind bei mir in guten Händen.“ Sobald der Mann zur Tür raus ist, schaut man in ein Gesetzbuch und denkt sich: Um Himmels Willen.

Wie lang haben Sie das als Anwalt durchgehalten?

Uthoff: Ich habe sieben Monate in einer Münchner Baurechtskanzlei gejobbt. Da kamen zwei Dinge zusammen, bei denen ich nicht so richtig leidenschaftlich bin: Jura und Technik. Das Studium war für mich sehr langweilig.

Wieso haben Sie überhaupt damit angefangen?

Uthoff: Weil ich am Anfang die falschen Vorlesungen besucht habe - Strafrecht bei zwei Persönlichkeiten mit viel schwarzem Humor. Ich dachte, hier bin ich genau richtig. Bis ich nach einem halben Jahr zum ersten Mal in einer Vorlesung zum Verwaltungsrecht saß. Das war so unheimlich dröge. Ich habe es nur durchgezogen, weil ich dachte, dass ich es gebrauchen kann.

Und dann haben Sie gemerkt, dass Sie Kabarett machen wollen?

Uthoff: Ja, der Moment kam mit der Geburt der Tochter. Mit 39 Jahren stand ich zum ersten Mal auf der Kabarettbühne. Das war im Kölner Wohnzimmertheater, wo jeder hin darf. Ich habe zwölf Minuten Weihnachts-Comedy gemacht.

Mit 39 noch mal von vorn anzufangen, ist mutig.

Uthoff: Das stimmt, andererseits hatte ich nichts zu verlieren, nicht mal eine gesicherte Existenz. Wenn es in die Hose gegangen wäre, wäre mir nichts Schlimmes passiert.

Wie schwer ist es, oben zu bleiben, nun da Sie im TV ganz oben angekommen sind?

Max Uthoff („Oben bleiben“): Samstag, 20 Uhr, Konzertsaal der Uni Kassel, Mönchebergstraße 1. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Uthoff: Ich werde das machen, was alle machen, die oben angekommen sind: nach unten treten und nach oben schleimen. Ich werde ZDF-Intendant Thomas Bellut jeden Tag Kaffee ins Büro bringen. Und wenn ich es schaffe, werde ich auch die Einschaltquoten manipulieren.

Klingt gut, aber was wollen Sie anders machen als Ihre beliebten Vorgänger?

Uthoff: Da kann ich noch nicht viel verraten. Erst einmal wollen wir versuchen, das Niveau zu halten. Das wird schwer genug. Wir können uns nicht einfach die Arztkittel überziehen und sagen: „Hallo, wir sind die neuen Anstaltsleiter.“ Da werden wir uns was anderes einfallen lassen müssen. Was ich schon verraten kann: Die Sendung heißt nicht mehr „Neues aus der Anstalt“, sondern „Die Anstalt“.

Von Matthias Lohr

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