Gernot Minke und E.R. Nele erweitern Zahl der Grabstätten am Blauen See

Neue Künstler für Kassels Nekropole

Für die  Kasseler Künstlernekropole im Habichtswald entwerfen Künstler zu Lebzeiten ihre eigenen Grabmale und lassen sich dort bestatten. Im Vordergrund ist die Grabstätte von Karl Oskar Blase zu sehen.
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Die Künstlernekropole im Habichtswald: Namhafte Künstler entwerfen zu Lebzeiten ihre eigenen Grabmale und lassen sich dort bestatten.

Die Künstlernekropole im Habichtswald bekommt prominenten Zuwachs. Nachdem auf dem Gelände zuletzt vor neun Jahren der Künstler Gunter Demnig sein Grabkunstwerk errichtet hatte, war es ruhig geworden um den Künstlerfriedhof am Stadtrand von Kassel. Jetzt werden am Blauen See innerhalb von zwei Jahren drei neue Kunstwerke ihren Platz finden und somit die Zahl der Arbeiten auf zwölf aufstocken.

Kassel. Es handelt sich um Monumente von dem Architekten und Hochschulprofessor Gernot Minke sowie der Bildhauerin E. R. Nele, Tochter des documenta-Gründers Arnold Bode, die demnächst auf dem 6000 Quadratmeter Gelände der Nekropole zu sehen sein werden. Beide waren Teilnehmer an documenta-Ausstellungen.

Außerdem wird in dieser Woche am Entrée zum weltweit einmaligen Künstlerfriedhof ein sogenanntes Gedenkzeichen für den zweifachen documenta-Leiter Manfred Schneckenburger aufgestellt. Er war ein Freund des Kasseler Kunstprofessors Harry Kramer, der die Nekropole initiiert und 1992 mit den ersten Grabstätten von Timm Ulrichs und Rune Mields realisiert hatte. Auch Kramer ist dort 1997 an unbekanntem Ort beigesetzt worden.

Schneckenburger hatte sich für die Nekropole besonders engagiert und war bis zu seinem Tod im Dezember 2019 Mitglied im Stiftungsrat. „Schneckenburger hat mit Harry Kramer das Projekt auf den Weg gebracht“, sagt Gerold Eppler vom Museum für Sepulkralkultur. Die Säule zum Gedenken an Schneckenburger, die das Profil des Kunsthistorikers abbildet, hat der documenta-Künstler Ugo Dossi gestaltet. Dossi wiederum ist seit 2003 in der Nekropole mit seiner stählernen Arbeit „Denkort“ vertreten.

„Wir sind überglücklich und freuen uns sehr über die Arbeiten, die demnächst im Waldgelände der Nekropole zu sehen sein werden“, sagt Kulturdezernentin Susanne Völker zur neuen Entwicklung. Nicht nur das starke Profil und das Gewicht der Neuzugänge seien beeindruckend, sondern auch die besondere Verbindung, die die Künstler zur documenta und zu Kassel haben.

Ein documenta-Bezug war eine Voraussetzung, die Harry Kramer für die Zusammensetzung der Künstler der Nekropole festgelegt hatte.

Gernot Minke wird noch in diesem Jahr auf dem Gelände der Nekropole einen für ihn typischen Rundbau mit Öffnung in der Kuppel errichten. Der Kasseler Architekt und Pionier auf dem Gebiet der ökologischen Bauweise war mit seinen Projekten weltweit zu großer Berühmtheit gekommen. „Die Arbeit wird der erste begehbare Grabbau der Nekropole sein“, so Eppler begeistert: „eine echte Bereicherung“. Schon im nächsten Jahr soll die Skulptur von E. R. Nele errichtet werden. Es wird sich um eine Torsituation mit balancierender Figur aus Edelstahl handeln.

Der neu zusammengesetzte Stiftungsrat der Künstlernekropole habe mit der Gewinnung dieser hochkarätigen Künstler eine äußerst wertvolle Arbeit geleistet, sagt Susanne Völker. Zudem seien für die Finanzierung der Arbeiten großzügige Sponsoren gewonnen worden. Die Säule für Manfred Schneckenburger wird am Freitag, ein Jahr vor Eröffnung der documenta 15, eingeweiht.

Hintergrund

Der Kasseler Architekt und emeritierte Hochschulprofessor Gernot Minke (84), einst Mitarbeiter von Frei Otto in Stuttgart, hat an der Uni Kassel das Forschungslabor für Experimentelles Bauen begründet und über 40 Forschungsprojekte unter anderem im Bereich Bauen mit Lehm realisiert. „Erde-Raum-Klang“ hieß sein Kunstwerk für die documenta 14.

Die in Frankfurt lebende E. R. Nele ist die Tochter von Marie-Louise und Arnold Bode (1900–1977), dem Begründer der documenta. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte die 1932 in Berlin Geborene in Kassel. Sie studierte in den 1950er-Jahren an der Central School of Arts and Crafts in London bei Richard Hamilton und erlernte den Umgang mit Eisen und Stahl, sowie in Paris das Handwerk des Kupfer-Tiefdrucks. Sie war Teilnehmerin der documenta II (1959) und documenta III (1964). Zu ihren bedeutenden Arbeiten zählt das Mahnmal für die Holocaust-Opfer, Die Rampe, in Kassel. (Christina Hein)

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