Spannend wie eine Tour-Etappe: Der neue Bestseller von Krimi-Autor Jan Seghers

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Matthias Altenburg alias Jan Seghers.

Die Fan-Gemeinde von Kommissar Marthaler wird immer größer. Auch der sechste Band um den Frankfurter Ermittler steht auf der "Spiegel"-Bestsellerliste. Die neue Geschichte hat der aus Baunatal stammende Autor Matthias Altenburg alias Jan Seghers an einen realen Fall voller Brutalität angelehnt.

Würde Matthias Altenburg nicht so leidenschaftlich gern Rennrad fahren, wären seine Bücher vielleicht ziemlich langweilig. Der 58-Jährige, der aus Baunatal stammt und unter dem Pseudonym Jan Seghers einer der erfolgreichsten deutschen Krimischriftsteller ist, sagt über sich: „Ich kann keine Orte erfinden, ich muss sie finden.“ Mögliche Schauplätze erkundet er meist auf dem Rad.

Es verwundert daher nicht, dass sein Frankfurter Kommissar Marthaler in seinem sechsten Fall mit dem Mountainbike durch die südfranzösische Stadt Marseillan radelt. Wahrscheinlich hat der Frankreich-Liebhaber Altenburg „Menschenfischer“ nicht nur in seiner Wahlheimat Frankfurt, sondern auch am Mittelmeer geschrieben, denn er ist „gern dort, wo es schön und warm ist – wenn ich schon arbeiten muss“.

Sein neuer Krimi, der bereits auf der „Spiegel“-Bestsellerliste steht, ist so spannend und kurzweilig wie eine dramatische Bergetappe bei der Tour de France. Die Geschichte basiert auf dem wahren Fall von Tristan Brübach. Der 13-Jährige aus Frankfurt-Höchst wurde 1998 brutal ermordet. Der Täter, der von drei Jugendlichen beobachtet wurde, schnitt ihm unter anderem die Hoden ab. Bis heute wurde der Mann nicht gefasst.

In „Menschenfischer“ reist Kommissar Marthaler nach Frankreich, wo ihn ein pensionierter und vom Leben gezeichneter Kollege auf eine neue Spur in dem „widerwärtigsten Verbrechen“ seiner Karriere locken will. Tristan heißt im Buch Tobias, auch sonst ist in der Geschichte um skrupellose Menschenhändler viel dazu erfunden.

Mit seiner realistischen Sprache schafft es Altenburg erneut, Bilder zu erzeugen, die bleiben. Eigentlich bräuchte es die ebenfalls erfolgreichen ZDF-Verfilmungen mit Matthias Koeberlin als Marthaler gar nicht mehr. Sein Erfinder ist auf dem besten Weg, der deutsche Henning Mankell zu werden.

Das wird man gerade in Altenburgs nordhessischer Heimat gern hören, in die er diese Woche für zwei Lesungen zurückkehrt. Zwar freuen sich die Frankfurter, wenn der Schriftsteller in Interviews Sätze sagt wie: „Ich gehe nicht nach Pittsburgh, Mumbai oder Leverkusen. Was soll ich in einer Stadt, in der es keine grüne Soße gibt?“ Uns verriet er aber einst im Interview, dass es zum Radfahren im waldreichen Nordhessen viel schöner sei als rund um das zubetonierte Frankfurt. Wie sein neuer Krimi ist auch diese Einschätzung sehr realistisch.

Jan Seghers: Menschenfischer. Rowohlt, 432 Seiten, 19,95 Euro. Wertung: fünf von fünf Sternen

Altenburg liest am 22. November (20 Uhr) in der Melsunger Brückenbuchhandlung (Brückenstraße 24) sowie am 23. November (19 Uhr) in der Baunataler Buchhandlung Eulenspiegel (Marktplatz 7).

Zur Person

Geboren: am 14. Dezember 1958 in Fulda

Aufgewachsen: in Baunatal

Ausbildung: Studium der Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte in Göttingen

Wichtige Bücher: „Die Liebe der Menschenfresser“ (1992) sowie nun sechs Marthaler-Krimis als Jan Seghers. Der erste war 2004 „Ein allzu schönes Mädchen“.

Pseudonym: Ist eine Hommage an die Schriftstellerin Anna Seghers und den Ex-Radprofi Jan Ullrich, einst Altenburgs Idol.

Privates: Vater einer Tochter, lebt mit seiner Familie in Frankfurt.


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