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Neue ungehaltene Reden ungehaltener Frauen: Sie setzen sich zur Wehr

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Teilnehmerinnen und Initiatoren auf den Stufen des Rathauses: vorn von links Çagla Sahin, Julia Hagen, Eva Schulz-Jander, Chrizzi Heinen, Sara Ehsan, Zoe Cross und Bettina Pili. Dahinter von links: Susanne Völker, Friederike Emmerling, Gilla Dölle, Friedrich Block und Sandra Kossendey.
Teilnehmerinnen und Initiatoren auf den Stufen des Rathauses: vorn von links Çagla Sahin, Julia Hagen, Eva Schulz-Jander, Chrizzi Heinen, Sara Ehsan, Zoe Cross und Bettina Pili. Dahinter von links: Susanne Völker, Friederike Emmerling, Gilla Dölle, Friedrich Block und Sandra Kossendey. © Dieter Schachtschneider

„Neue ungehaltene Reden ungehaltener Frauen“ wurden im Stadtverordnetensaal vorgetragen - inspiriert von der Kasseler Schriftstellerin und Ehrenbürgerin Christine Brückner.

Kassel – „Neben dem Behördenalter brauche ich kein soziales Alter!“ Mit Bestimmtheit feuert die 86-jährige Ehrenbürgerin Kassels, Eva Schulz-Jander, diese und andere Sätze auf das gebannt lauschende Publikum im vollbesetzten Stadtverordnetensaal des Rathauses ab.

Sie und die anderen fünf Rednerinnen des Abends sind rebellisch und setzen sich zur Wehr gegen Unterdrückung, Demütigung, Gewalt und Ausgrenzung von Frauen.

In Kassels Rathaus gab es am Samstagnachmittag eindrucksvolle, wütende und tieftraurige Worte für das, was das Leben Frauen – im Gegensatz zu Männern – allzu oft noch zusätzlich abverlangt. „Frauen und Kinder zuerst“: Das gilt fürs Gerettet-Werden genauso wie für das Unterdrückt-Sein.

Die Bühne für ihre Gedanken und Plädoyers gaben den ungehaltenen Frauen des Jahres 2022 die Stiftung Brückner-Kühner, sowie der S. Fischer-Verlag. Diese Initiatoren setzten damit der Kasseler Autorin Christine Brückner, deren Buch „Wenn du geredet hättest, Desdemona – ungehaltene Reden ungehaltener Frauen“ ein Bestseller war, an deren Geburtstag in Kassel ein Denkmal.

Die Autorin Sara Ehsan prangert das entwürdigende Sterben Geflüchteter an, dem Europa zusieht: „Viele ertrinken stumm, vielleicht erreichen sie die Insel Lesbos als zerfledderte Leichenteile.“

Die Beraterin Zoe Cross leidet an einer angeborenen Gesichtslähmung und berichtet von der Notwendigkeit zu lernen, mit dem „Herzen zu lächeln“ und ihrer ersten romantischen Beziehung, als sie die Vierzig schon überschritten hat.

Jede der sechs Reden, ausgewählt aus 98 Einreichungen, ist so eloquent wie herzzerreißend, und entlarvt den Paragrafen des Grundgesetzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ als immer noch frommen Wunsch.

Nach zwei Stunden sprachgewaltigen Aufbegehrens und der würdigen musikalischen Umrahmung durch die Flötistin Constanze Betzl und die Geigerin Anna Göbel, gab es lang anhaltenden Beifall des Publikums, darunter waren zahlreiche Ehrengäste, wie Bürgermeisterin Ilona Friedrich.

Grußworte, die die Brisanz der Reden unterstrichen, lieferten anfangs Kulturdezernentin Susanne Völker, Friedrich W. Block und Friederike Emmerling. Übrigens begeht man am 10. Dezember auch den „Tag der Menschenrechte.“

Es sprachen: Zoe Cross, Sara Ehsan, Sandra Kossendey, Chrizzi Heinen, Bettina Pili und Dr. Eva Schulz-Jander

Von Susanna Weber

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