Scherenschnitt-Effekte und Dokumentation

Neue Wege fürs räumliche Sehen

Wie Scherenschnitt: „Les contes de la nuit“.

Berlin. Beim 3D-Tag der Berlinale zeigten neben Wim Wenders (siehe Artikel rechts) zwei weitere Regisseure ihre Konzepte fürs Geschichtenerzählen mit der neuen Technik.

Der französische Animations-Altmeister Michael Ocelot („Kiriku und die Zauberin“) macht eine zeitliche Doppelbewegung: Mit den neuesten Geräten greift er eine der ältesten Filmtechniken auf: den Silhouettenfilm (um 1920). „Les contes de la nuit“ ist ein Märchenfilm, hauptsächlich für Kinder, der mit Scherenschnitt-Effekten arbeitet.

Nostalgisch-verspielt montiert Ocelot farbenprächtige Tableaus hinter schwarze Figuren, wie mit Pappkarton ausgeschnitten. Sechs Märchen erzählt Ocelot, vom Trommlerjungen, der in der Savanne das Stachelschwein zum Tanzen bringt, bis zum singenden Pferd in den Bergen Tibets. Feinste Barthaare eines Medizinmanns oder der transparente Schleier einer Hofdame zeigen die Möglichkeiten der Montagetechnik, der Film behält aber eher den Charakter einer Fingerübung.

Einen anderen Weg im Umgang mit der 3D-Technologie lotet Werner Herzog aus. In „Cave of forgotten Dreams“ zeigt er, welche Chancen das räumliche Filmen für Dokumentationen bietet. Mit der Spezialkamera begibt er sich in die südfranzösische Chauvet-Höhle, in der 1994 die ältesten Höhlenmalereien gefunden worden waren. 32 000 Jahre alte Zeugnisse menschlicher Kultur: Ganz nah treten die geschwungenen Wände mit ihren atemberaubend schönen Bildern von Pferd, Nashorn, Bison, Panther. Gekratzt und gemalt von Steinzeitkünstlern, die mit Licht- und Schatteneffekten spielten. Kein Wunder, dass der deutsche Regisseur Bezüge zum Filmemachen herstellt.

Herzog gestaltet den Film wie eine Entdeckungsreise. Schon, weil sein Team wegen der Enge immer im Bild ist und viel improvisiert wird, erzählt er zugleich die Geschichte der Erforschung der Höhle und des Filmdrehs - im Auftrag des französischen Kulturministeriums.

Von Bettina Fraschke

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