Die Sängerin Jasmin Tabatabai bringt mit „Eine Frau“ ihr erstes Soloalbum auf Deutsch heraus

Neuer Jazz und alte Schätze

Ungewohnt: Jasmin Tabatabai, als Rockröhre bekannt, wirkt auf ihrem neuen Album ruhig und elegant. Foto: Broede/nh

Sanft, stilvoll und sexy klingt Jasmin Tabatabai auf ihrem neuen Soloalbum „Eine Frau“. Sie flüstert, spricht und singt, mal melancholisch, mal fröhlich. Dabei nützt der Sängerin wohl ihre schauspielerische Ausbildung.

Glanzvoll inszeniert sie Texte von Autoren wie Kurt Tucholsky und Edith Jeske in Jazz und deutschen Chansons. Auf dem Album sind Coversongs mit neuen Stücken kombiniert. Dabei orientiert sich die 44-Jährige nicht an den Originalen. „Jeder Künstler muss doch etwas Eigenes machen“, sagt sie.

Deshalb klingen Tabatabais Cover-Stücke nach Tabatabai. Und das, obwohl die Berlinerin so ruhig noch nie zu hören war – schon gar nicht auf Deutsch. 1997 wurde sie mit Songs des Kinofilms „Bandits“ bekannt. Jetzt überrascht sie mit ihrem ersten Album in deutscher Sprache. Während sie sonst eher rockig daherkam und ihre Stücke selbst komponierte, verlässt sie sich nun auf die Kompositionen des Schweizer Produzenten David Klein.

„Das war eine Produktion wie früher“, schwärmt Tabatabai. Mit einem Arrangeur, Produzenten und Orchester wurde demnach ungewöhnlich viel Aufwand betrieben. Der hat sich gelohnt.

Thematisiert werden in den elf Liedern Sexualität, die Suche nach der großen Liebe und Enttäuschungen, oft mit ironischem Unterton. Eine Frau soll sich stets treu bleiben, heißt es. Die Stücke „Eine Frau“ und „Brautkleid“ seien jedoch mit einem Augenzwinkern zu verstehen, warnt die Sängerin.

Gegensätzliche Texte

Ihre Texte sind teils so gegensätzlich wie die Gefühle, die sie in Worten und Melodien herüberbringt. Mit der Ballade „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ wird vermittelt: „Ich bin doch zu schade für Einen. Soll denn etwas Schönes nur einem gehören?“ Das Stück „Kann denn Liebe Sünde sein?“ handelt hingegen von einer, die sich aus voller Überzeugung einem einzigen Mann hingibt. „Die alten deutschen Chansons sind richtige Schätze“, sagt Tabatabai. „Sie sind viel frecher als alles, was an Musik derzeit so herauskommt.“ Das Stück „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?“ zum Beispiel, das einst ebenfalls Zarah Leander gesungen hat, solle jedoch nicht zum Seitensprung auffordern, sondern das Spießertum anprangern. Tucholskys Gedicht „Augen in der Großstadt“ interpretiert die Künstlerin in gemächlichem Tempo, man möchte es antreiben. Im Gegensatz dazu ist „Nimm’ ihn Dir“ ein rhythmischer Ohrwurm über einen Frauenaufreißer. „Du kannst ihn haben, und bitte, bitte, bitte bring ihn nicht zurück!“.

In Düsseldorf beginnt Jasmin Tabatabai am 25. Oktober mit ihrer Konzerttour. Dann spielt sie auch alte Bandits-Lieder, und zwar am Klavier. Alle Zuschauer werden diesmal sitzen. Das wird auch für Tabatabai eine neue Erfahrung sein, die sonst in Rock-Clubs aufgetreten ist.

Jasmin Tabatabai & David Klein Orchester: Eine Frau (Edel). Wertung: !!!!:

Von Stefanie Dietzel

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