Fesselnder Gerichtsthriller

Neuer Regionalkrimi: "Der schlaue Pate“ von Volker Schnell

Kassel. Krimiautor Volker Schnell jongliert in seinem neuen Regional-Roman mit mehreren Fiktionsebenen, baut eine Figur seines Namens ins Geschehen ein - und bereitet die trickreiche Verschachtelung amüsant auf.

„Ein großer Typ mit grauer werdendem Resthaar und einer dicken Brille; er trug Jeans und seine unvermeidlichen Schlappen; im Winter wenigstens welche, die vorn geschlossen waren.“ Es ist die Rechercheexpertin Desirée, die in Volker Schnells Regionalkrimi „Der schlaue Pate“ den Mann mit der eigenwilligen Schuhmode beim Neujahrsempfang der Stadt Kassel als erstes entdeckt.

Es handelt sich um: Volker Schnell, einen Krimiautor. In seinem neuen Roman jongliert Schnell mit den Fiktionsebenen und baut eine Figur seines Namens ins Geschehen ein. Das Ermittlungsteam unterhält sich mit diesem Schnell, er nimmt an einem Gerichtsprozess teil und bekommt von seinem Romanhelden Prinz sogar spektakuläre Unterlagen zugespielt.

Die Idee wird etwas überstrapaziert und schrammt manchmal an der Grenze zur Angeberei. Insgesamt lässt sich der Verschachtelungstrick aber recht amüsant lesen, weil Schnell natürlich weiß, dass Regionalkrimis exakt das Merkmal (oder auch: die Bürde) haben, für die Leser wiedererkennbare Orte, Traditionen und Personen ins Geschehen einzuarbeiten.

Der 50-Jährige lässt auch in seinem zweiten Regionalkrimi nach „Mordhessen“ Marcus Aurelius von Loquai ermitteln. Ein reicher Erbe, blitzgescheit, der unschuldig im Knast saß und sich zur Aufgabe gemacht hat, mit Tochter Desirée und seinem Expertenteam knifflige Kapitalverbrechen aufzuklären. Spitzname: Prinz.

Volker Schnell

Es geht um die Russenmafia, die in Kassel Fuß fassen will, um Mauscheleien bei Organspenden, um einen Serienmörder, der Frauen quält – und um den leitenden Oberstaatsanwalt Ewald Baginski, der verhaftet wird, weil alles darauf hindeutet, dass er seine Geliebte in einer Melsunger Gartenlaube ermordet hat. Dieses Falls nimmt sich Prinz an, der sofort vermutet, dass Baginski etwas angehängt werden soll.

Wieder verwebt Schnell seine (diesmal zum Glück nicht so ausfransenden) Handlungsfäden geschickt, steigert die Spannung und entwickelt seine genau recherchierten Themen systematisch. Und wieder sorgt er für handfeste Überraschungen, wenn an mehreren Wendepunkten klar wird: Es ist alles ganz und gar anders.

Wesentliche Teile des Romans spielen vor Gericht während des Prozesses gegen Baginski. Dazu sagt der im Roman vorkommende Autor Volker Schnell verblüfft: „Ich kenne keinen einzigen deutschen Gerichtsthriller.“ Das hat er nun geändert.

Volker Schnell: Der schlaue Pate, Emons, 320 Seiten, 10,90 Euro

Wertung: Vier von fünf Sterne

Buchpremiere: Freitag, 19. April, 20 Uhr im Museum für Sepulkralkultur in Kassel mit Museumsdirektor Reiner Sörries und HNA-Chefredakteur Horst Seidenfaden.

Von Bettina Fraschke

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