Neuer Schick aus Wien: Die famose Band Bilderbuch

Verführerisch: Die Wiener Band Bilderbuch mit (vorn von links) Schlagzeuger Peter Horazdovsky, Gitarrist Michael Krammer, Sänger Maurice Ernst und (hinten) Bassist Philipp Scheibl. Foto: Spiegel

Österreich ist derzeit das gelobte Land des deutschsprachigen Pop: Bands wie Ja, Panik und Wanda werden überall gefeiert. Und Bilderbuch aus Wien sind die Allercoolsten.

Kurz nachdem Maurice Ernst im vorigen Sommer mit seiner Band Bilderbuch beim Homberger Musikschutzgebiet-Festival aufgetreten war, wählte er einen neuen Beruf. Schon damals wurde das österreichische Quartett für seinen funky Indierock gefeiert, nun aber soll es gleich den deutschsprachigen Pop retten, wie es heißt. Bilderbuch treten in großen Hallen auf, die seit Wochen ausverkauft sind, und Ernst stellt fest: „Wir können uns mit breiter Brust hinstellen und sagen: Wir sind jetzt ganz offiziell Musiker.“ Und nicht mehr so halb mit dickem Fragezeichen.

Die Wiener können nun von der Musik leben und haben „zum ersten Mal in unserem Leben keinen Plan B“, wie Ernst sagt. Den brauchen sie auch nicht. Ihr neues Album „Schick Schock“, dessen Veröffentlichung kurzfristig von heute auf nächsten Freitag verschoben wurde, ist die erste Pop-Sensation des neuen Jahres. Früher waren Bilderbuch eine deutschsprachige Kopie der Strokes. Dann entdeckten sie Kanye West und HipHop. Und so klingen die zwölf neuen Songs wie eine größenwahnsinnige Mischung aus Rock, Funk, fetten Beats, Rap, Falco und viel Wiener Schmäh.

Dabei hatte die Band ihren Durchbruch mit Singles und EPs geschafft. Songs wie „Maschin“ mit seiner coolen Bass-Hookline hatten sich 2013 über Youtube verbreitet. Es gab sogar junge Bands, die Bilderbuch zum Vorbild nahmen und sagten: „Heute braucht man gar kein Album mehr.“ Ernst jedoch meint heute: „Man muss etwas schaffen, was die Zeit überdauert. In zehn Jahren willst du nicht nur ein altes Video anschauen, sondern ein Album in der Hand halten.“

Austropop ist wieder da

Der 26-Jährige hat keine Angst vor großen Gesten. In „Plansch“ singt er: „Wenn du Angst vor der Zukunft hast, kauf dir einen Pool, wenn du zu viel Geld hast, schmeiß es in den Pool.“ Bilderbuch würden sich nie einen Pool kaufen, sie spielen mit den Klischees des Bling-Bling-Hedonismus und entwerfen große Bilder und Gefühle. „Wir sind komplett weg vom Zeigefinger. Wir erziehen nicht, sondern sind verführerisch“, sagt Ernst.

Österreichischen Bands kann derzeit in Deutschland ohnehin niemand widerstehen. Ja, Panik und Kreisky sind schon länger Kritikerlieblinge. Nun werden neben Bilderbuch auch Wanda gefeiert, die eine Art Austropop-Schlager spielen wie einst Georg Danzer. Magazine feiern schon die Widerauferstehung des Austropop.

Ernst fand das einst eine „sehr grauenhafte Musik“, er freut sich aber, dass seine Landsleute zum ersten Mal „bewusst mit unserer Popkultur umgehen“. Länder, in deren Charts seit Monaten Helene Fischer ganz oben steht, müssen neidisch nach Österreich schauen.

Zumal Bilderbuch nicht nur geil klingen, sondern auch cool aussehen. Ernst trägt bunte Second-Hand-Klamotten und alte Sachen seines Opas. Von „GQ“ wurde er zum schicksten Mann Österreichs gewählt - vor dem Fußballer David Alaba und Grand-Prix-Star Conchita Wurst. Wahrscheinlich hätte auch Model ein Beruf für den Blondschopf sein können.

 

Bilderbuch: Schick Schock (Maschin Records).

Wertung: fünf von fünf Sternen

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