Hohe Ziele, nicht nur mit Wagners "Ring"

Neuer Spielplan 2018: Staatstheater Kassel plant Innovation und Gipfelsturm

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Staatstheater Kassel: Hier erfahren Sie, was Sie in der Spielzeit 2018/2018 erwartet.

Kassel. Viel Mut und Aufbruchwille kennzeichnet den neuen Spielplan 2018/2018 im Staatstheater Kassel. Alles über Musiktheater, Schauspiel, Tanztheater und Junges Staatstheater. 

Was das Kasseler Staatstheater in der kommenden Saison 2018/19 prägen wird, konnte man bei der Vorstellung des Spielplans schon an den kleinen goldenen Ringen erkennen, die einige Besucher am Revers trugen: Richard Wagners Opernvierteiler „Der Ring des Nibelungen“ wird – über zwei Spielzeiten verteilt – zum Aushängeschild des Hauses werden. Ein „Himalaya-Projekt“, so Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann. Dagegen setzt das Schauspiel vor allem Akzente mit neuen Stücken. Zeitfragen stehen auch im Zentrum des Tanztheaters und des Jungen Staatstheaters. Wie das alles zu beurteilen ist, lesen Sie auch in einem Kommentar zum Spielplan 2018

Staatstheater Kassel Spielplan: Musiktheater

Mit dem „Rheingold“, der ersten der vier „Ring“-Opern, wird die Spielzeit im Musiktheater eröffnet. Generalmusikdirektor Francesco Angelico sagte, er freue sich auf die Herausforderung, dieses Mammutwerk zusammen mit dem Regisseur Markus Dietz auf die Bühne zu bringen. Das „Rheingold“ als „die Vertreibung aus dem Paradies“ sei der Auftakt zu Wagners großer Erzählung davon, „wie Liebe durch die Macht ersetzt wird“, sagte Dietz. Der zweite Teil der Tetralogie, „Die Walküre“, folgt im März 2019, „Siegfried“ und die „Götterdämmerung“ in der übernächsten Spielzeit.

Eine Belcanto-Oper bildet den Kontrast zu Wagners „Rheingold“: Vincenzo Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“ folgt als konzertante Aufführung und beleuchtet das Romeo-und-Julia-Thema auf gänzlich andere Weise als das Musical „West Side Story“, das in der nächsten Saison wiederaufgenommen wird. Dirigent ist wieder Francesco Angelico.

Zwei weitere Klassiker der italienischen Oper bilden neben Wagner den Schwerpunkt der kommenden Opernspielzeit: Giuseppe Verdis Spätwerk „Falstaff“, musikalisch geleitet von Francesco Angelico und inszeniert von Adriana Altaras, sowie Giacomo Puccinis Operntragödie „Madama Butterfly“ in der Regie von Lorenzo Fioroni unter dem musikalischen Leiter Joakim Unander. Nach der Otto-Nicolai-Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ aus der laufenden Spielzeit wird Shakespeares berühmte Komödienfigur Sir John Falstaff damit erneut in den Blick genommen. In der Titelrolle von „Madama Butterfly“ wird die Sopranistin Celine Byrne nach ihren Erfolgen in „Die tote Stadt“ und „Der Rosenkavalier“ wieder in Kassel zu erleben sein.

Den Saisonabschluss bildet Albert Lortzings komische Oper „Der Wildschütz“, eine Verwechslungskomödie und, nach den Worten von Operndirektorin Ursula Benzing, ein „bürgerliches Lachtheater“.

Als Projekt des Theater-Jugendorchesters ist zudem Hans Krásas Kinderoper „Brundibár“ in neuer Besetzung wieder im Programm.

Staatstheater Kassel Spielplan: Schauspiel

Von elf Premieren sind fünf Ur- und Erstaufführungen: eine Besonderheit des Schauspielprogramms. Keine Absicht, das habe sich auf der Suche nach relevanten Stoffen so entwickelt, sagt Chefdramaturg Michael Volk. Im Wissenschaftsmilieu spielt der Saisonauftakt, Lucy Kirkwoods „Moskitos“, das Thomas Bockelmann als deutschsprachige Erstaufführung inszeniert. Bei anderen neuen Stücken gibt es ein Wiedersehen mit in Kassel bereits bekannten Autoren wie Rebekka Kricheldorf („Intervention“), Nina Raine („Stories“, ihr „Konsens“ über sexuelle Gewalt läuft derzeit mit großem Erfolg im tif), Annie Baker („The Aliens“, von ihr stammte „Im Kino (The Flick)“). Auch „Die Opferung von Gorge Mastromas“ ermöglicht das Weiterverfolgen mit einem in Kassel erfolgreich aufgeführten zeitgenössischen Autoren: Dennis Kelly, dessen „Waisen“ in guter Erinnerung ist. Themen der neuen Dramen sind die Rolle von virtuellen Welten, moralische Prinzipien der Gegenwart, Schwangerschaft und Frauenleben sowie die Frage, wie man sein Leben heute selbst entwerfen kann.

Auf der Klassiker-Seite klotzt die Schauspielsparte mit dem bekanntesten Theaterstück überhaupt: der Shakespeare-Tragödie „Romeo und Julia“. Bertolt Brechts Kriegsdrama „Mutter Courage und ihre Kinder“ soll auf seine Aktualität im Blick auf Ideologien befragt werden, die von einem jungen Team aufbereitete Dramenfassung von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ beschäftigt sich mit dem Thema Widerstand.

Staatstheater Kassel Spielplan: Tanztheater

Spannend und ambitioniert, so lässt sich das Programm des Tanztheaters in zwei Worten zusammenfassen. Beides zugleich ist die Planung rund um „Ares“. In dem Stück von Johannes Wieland mit dem Staatsorchester Kassel, werden Lieder von Richard Strauss vertanzt.

Die Rechte für diese Produktion von den Erben erhalten zu haben, das sei ein kleines Wunder, so Bockelmann. Man hoffe, dass diese sich die Produktion auch ansehen werden, sagt Dr. Thorsten Teubl.

„Anarchy of the body“ ist ein Tanztheaterabend, an dem zwei Stücke zu sehen sein werden. Mit der Gesetzlosigkeit des Körpers und mit dem Bewusstsein für sich selbst beschäftigen sich Tanzdirektor Johannes Wieland, und als Gast-Choreografen wurden Ryan Mason sowie Annamari Keskinen gewonnen. Beide sind in Kassel Tanz-Publikumslieblinge, die nun als Choreografen mit ihrer eigenen Tanzsprache zurückkehren und so in Kombination mit Wielands-Inszenierung die ganze Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes auf die Bühne bringen.

In der Choreografischen Werkstatt stellen sich junge Choreografen vor. Es gibt zudem die Überlegung, sie nicht nur im tif, sondern auch an anderen Orten in der Stadt aufzuführen.

Staatstheater Kassel Spielplan: Junges Staatstheater

Das Weihnachtsmärchen „Der gestiefelte Kater“ wird nicht nur Grimm’schen Zauber versprühen, sondern auch eine Befragung von „Experten des Alltags“ sein, was Glück ist. Ob das Leben in virtuellen Welten, etwa im Gaming, nicht vielleicht attraktiver ist, als die analoge Realität, thematisiert „Every Heart is Built Around a Memory“, der Spielzeitauftrakt von Markolf Naujoks. „Mir war es wichtig, digitale Welten nicht, wie oft, als negativ zu bewerten“, sagt Spartenleiter Thomas Hof. Mit der deutsch-türkischen Comunity zusammen soll Fatma Aydemirs Roman „Ellenbogen“ über junge migrantische Lebenswege dramatisiert werden.

Staatstheater Kassel: Spielplan 2018 / 2019

Musiktheater-Premieren:

• 1.9.2018, Opernhaus: Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen - Das Rheingold. R: Markus Dietz, D: Francesco Angelico

• 9.9.2018, Opernhaus: Vincenzo Bellini: I Capuleti e i Montecchi (konzertant). D: Francesco Angelico

• 13.10.2018, Opernhaus: Giuseppe Verdi: Falstaff. R: Adriana Altaras, D: Francesco Angelico

• 8.12.2018, Opernhaus: Giacomo Puccini: Madama Butterfly. R: Lorenzo Fioroni, D: Joakim Unander

• 26.1.2019, Opernhaus: J. S. Bach: Anfang und Ende – B.A.C.H. (Kirchenkantaten szenisch). R: Aniara Amos, D: Jöerg Halubek

• 9.3.2019, Opernhaus: Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen – Die Walküre. R: Markus Dietz, D: Francesco Aneglico

• 25. 5.2019, Opernhaus: Albert Lortzing: Der Wildschütz. R: Tom Ryser, D: Alexander Hannemann

Wiederaufnahmen:

• 8.9.2018, Opernhaus: Leonard Bernstein: West Side Story. R: Philipp Rosendahl, D: Alexander Hannemann

• 23.9.2018, Opernhaus: Giacomo Puccini: Turandot. R: Markus Dietz, D: Joakim Unander

• 15.12.2018, Opernhaus: Engelbert Humperdinck: Hänsel und Gretel. R: Elmar Gehlen, D: Alexander Hannemann

• 6.4.2019, Opernhaus: Gioachino Rossini, Il Barbiere di Siviglia. R: Adriana Altaras, D: N.N.

15.6.2019, Opernhaus: Hans Krása: Brundibár (Theater-Jugendorchester-Projekt). R: Franziska Schumacher, D: Maria Radzikhovskiy

Schauspiel-Premieren:

• 308.2018, Schauspielhaus: Lucy Kirkwood: Moskitos. R: Thomas Bockelmann (DE)

• 7.9.2018, tif: Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas. R: Janis Knorr

• 8.9.2018, Schauspielhaus: William Shakespeare: Romeo und Julia. R: Johanna Wehner

• 9.11.2018, tif: Wilke Weermann: Geliebtes Gelogenes Leben (Stückentwicklung).

• 10.11.2018, Schauspielhaus: Alan Ayckbourn: Schöne Bescherungen. R: Markus Dietz

• 18.1.2019, tif: Rebekka Kricheldorf: Intervention (UA), R: Schirin Khodadadian

• 19.1.2019, Schauspielhaus: Witold Gombrowicz: Operette. R: Philipp Rosendahl

• 15.3.2019, tif: Dennis Kelly: Die Opferung von Gorge Mastromas. R: Martin Schulze

• 16.3.2019, Schauspielhaus: Nina Raine: Stories (DE). R: Maik Priebe

• 9.5.2019, tif: Annie Baker: The Aliens (DE), R: Sebastian Schug.

• 10.5.2019, Schauspielhaus: Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder. R: Laura Linnenbaum

Geplante Wiederaufnahmen: (noch ohne Termine)

• Eugene O’Neill: Eines langen Tages Reise in die Nacht. R: Markus Dietz

• William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum: R: Laura Linnenbaum.

• Simon Stephens: Heisenberg. R: Thomas Bockelmann

• Aischylos: Die Orestie. R: Johanna Wehner

• Liederabend: Katzenjammer, Schwarze Katze, Weiße Katze. R: Thomas Bockelmann

• Dass alles zum Besten steht, hätten Sie sagen müssen (Stückentwicklung). RE: Philipp Rosendahl

• Michel Houellebecq: Unterwerfung. R: Gustav Rueb

• Nina Raine: Konsens. R: Eva Lange

• Werner Schwab: Die Präsidentinnen. R: Martin Schulze

• George Brant: Am Boden. R: Markus Dietz

• Jennifer Haley: Die Netzwelt. R: Markus Dietz

• Conor McPherson: Rum und Wodka. R: Janis Knorr

Tanztheater

• 1.12.2018, Schauspielhaus: anarchy of the body (UA). Zwei Stücke von Johannes Wieland, Annamari Keskinen und Ryan Mason.

• 27.4.2019, Opernhaus: Ares UA). Stück von Johannes Wieland mit dem Staatsorchester (Lieder von R. Strauss)

• 8.6.2019, tif: Choreografische Werkstatt. Junge ChoreografInnen stellen sich vor.

Junges Staatstheater

• 2.9.2018, tif: Every Heart is Built Around a Memory. Stückentwicklung und R: Markolf Naujoks (ab 12)

• 7.11.2018, Opernhaus: Thomas Freyer (nach den Brüdern Grimm): Der gestiefelte Kater (Weihnachtsmärchen). R: Ulrike Hatzer (ab 6)

• 3.3.2019, tif: Carsten Brandau: Sagt der Walfisch zum Thunfisch. R: Philipp Rosendahl (ab 8)

• 5.5.,2019, tif: Bürgerbühnenprojekt nach dem Roman von Fatma Aydemir: Ellbogen. R: Philipp Rosendahl (ab 14)

Geplante Wiederaufnahmen: (noch ohne Termine)

• Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werther. R: Janis Knorr (ab 14)

• Im Traum schweben (Stückentwicklung), R: Thomas Hof (ab 3)

• Finn-Ole Heinrich: Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt. R: Anna Vera Kelle (ab 10)

• Jens Raschke: Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute. R: Philipp Rosendahl (ab 11)

• Wolfgang Herrndorf: Tschick. R: Philipp Rosendahl (ab 14)

• Jörg Menke-Peitzmeyer: Erste Stunde (Klassenzimmerstück). R: Thomas Hof (ab 12)

Abkürzungen:

R: = Regie

D: = Musikalische Leitung/Dirigat

tif = Theater im Fridericianum

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