Neues Album von Rainhard Fendrich: Ernsthafter und weniger Wiener-Schmäh

Ein Alltagsbeobachter: Rainhard Fendrich hat nach dreijähriger Pause ein neues Album herausgebracht. „Schwarzoderweiss“ heißt es und enthält viele Graustufen. Foto: dpa

Rainhard Fendrich ist alles andere als ein Schwarz-Weiß-Maler. Der Sänger weiß, dass es dazwischen viele Graustufen gibt. Und das kann man auf seinem neuen Album hören.

Er hat ein großes Stück seiner Leichtigkeit verloren - doch ist das kein Verlust. Im Gegenteil: Der unbeschwerte Wiener-Schmäh-Singsang wie einst bei „Macho Macho“ würde zu den meisten der 14 Songs auf dem neuen Album von Rainhard Fendrich nicht passen. „Schwarzoderweiss“ besticht vor allem durch unerwartete Ernsthaftigkeit, einen melancholischen, nachdenklichen, politischen Fendrich - auch mal in dunklen Moll-Akkorden. Aber nicht nur. Dazwischen gibt es auch viele Graustufen. Sein neues Album ist überraschend anders. Intensiver. Deshalb auch gewagt.

Nicht einseitig

Das wird vor allem beim Titelsong deutlich. Wenn er singt, dass es „net nur schwarz oder weiß“ gibt. „Die Haut hat vüle Farben. Nur die anen hab’n die Narben und die andern schert des net.“ Das kommt nicht platt daher. Wie es klingt? Fast wie ein fröhlicher Folkmusiksong - mit Botschaft. Dazu singt ein Chor im Hintergrund. Fremdenhass ist ein Thema, dass Fendrich nicht loslässt. 1993 sang er mit „Brüder“ gegen Rassismus an. Diesmal prangert er nicht an, sondern erinnert subtil an Menschlichkeit.

So hat man den österreichischen Liedermacher in den vergangenen 36 Jahren seiner Musikkarriere nicht oft zu hören bekommen. Doch nimmt man es ihm ab.

Er ist nicht einseitig. Nicht oberflächlich. War er nie. Immer wieder blitzt der altbekannte Fendrich auf. Etwa, wenn er über „Sugar Daddies“ singt und in „Wenn du was willst“ gegen die Dauererreichbarkeit stichelt: „Wenn di was stört, warum ruafst me net a? Schreib ma an Zettel, a Karten, a Briaf oder sei afach da.“ Fendrich ist ein genauer Alltagsbeobachter, er fängt Momente und Stimmungen ein. Und: Mit 61 Jahren ist er mitten im Leben angekommen, singt übers Älterwerden.

Der eigentliche Verlust

„Du bist schön“ ist ein liebevolles, eingängiges Kompliment an seine Frau. Dabei - aber auch bei „Frieden“ und „Wer schützt Amerika“ - ist zu deutlich zu hören, dass der verstorbene Udo Jürgens nicht nur Freund, sondern auch großes Vorbild für Fendrich war. Als Bub habe er ihn häufig imitiert, hat er mal gesagt. In den Songs geht sie genau an diesen Stellen dahin, die gerade neu entdeckte Fendrich-Identität. Das ist der eigentliche Verlust.

Noch etwas sagte er erst kürzlich: Unterhaltung hat etwas mit Haltung zu tun. Er weiß, es gibt nicht nur schwarz oder weiß. Das spürt man auf seinem neuen Album deutlich - mit Leichtigkeit.

Rainhard Fendrich: Schwarzoderweiss (BMG), Wertung: !!!!:

Von Maja Yüce

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