"Schafe, Monster und Mäuse"

Element of Crime erzählen in neuem Album von Berlin

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Seit 33 Jahren im Geschäft: Die Band Element of Crime sind (von links) David Young, Richard Pappik, Sven Regener und Jakob Ilja.

Die Rockband Element of Crime hat ein neues Album veröffentlicht. Mit ihren Songtexten nimmt „Schafe, Monster und Mäuse“ mit nach Berlin: zum KaDeWe und unter die Hochbahn.

Wenn die eigene, kleine Welt mal wieder im Chaos zu versinken droht, wenn all die Höhen und Tiefen und Unwägbarkeiten des Menschseins zu viel werden, dann hilft oft ein guter Freund. Einer, der sagt, dass vieles ganz einfach und einiges davon in seiner Einfachheit ganz zauberhaft ist.

Element of Crime können ein solcher Freund sein. Ein treuer Freund, seit 33 Jahren. Mit ihrer Platte „Schafe, Monster und Mäuse“ reduzieren die vier Musiker das innermenschliche Chaos ein weiteres Mal.

Und sie zeigen, dass auch Berlin, diese große und oft überfordernde Stadt, auf die sich die Band mit ihrem 14. Studioalbum so oft bezieht, letztlich doch bloß ist wie überall: ein Ort voller Menschen, Gefühle und bedeutsamer Banalität. Wie machen die das?

Schnoddrige Poesie

Sie machen es mit ihren Songtexten, klar, sie machen es auch auf diesem Album vor allem mit den Worten und dieser schnoddrigen Poesie Sven Regeners, dessen Zeilen auch ohne Melodien in ihrer Klarheit so entwaffnend sind wie die Sätze seiner Romane („Herr Lehmann“). Regener singt Zeilen wie die im Song „Die Party am Schlesischen Tor“, als ob er sie niemals aufgeschrieben hätte:

„Seit Stunden schon wollen wir gehen/

Und immer noch stehen wir hier/

Wie Falschgeld unter der Hochbahn/

Und irgendwer holt neues Bier...“

Sven Regener singt auch auf diesem Album so, als ob seine Geschichten gerade passieren würden. Als ob er sich gerade in diesem Moment über seine Nachbarschaft auslassen würde („Ein Brot und eine Tüte“).

Dieser Sänger erklärt nichts, er erzählt. Wo andere das Leben analysieren, holt bei Element of Crime irgendwer neues Bier – und plötzlich steht man selbst hinter dem KaDeWe, im Prinzenbad, unter der Hochbahn.

Wohlige Vertrautheit

Doch diese Band verzaubert nicht nur lyrisch, sondern auch musikalisch. Auf diesem Album durchaus facettenreicher als zuletzt gewohnt, mit Taktwechseln, Blues und Polka, mit Streichern und Akkordeon. Weniger Rotwein-Melancholie, dafür mehr vorsichtiger Schwung.

Besonders schön: Die Bläser, die Lieder wie „Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“ elegant einbetten und niemals auftragend oder zu dominant sind.

Sicher: Auch auf „Schafe, Monster und Mäuse“ klingt vieles bekannt – wie so oft bei Element of Crime. Auch diesmal singt Sven Regener gerne von der Liebe, und auch diesmal packt die Band seine Erzählungen in wohlvertraute Melodien und ihr so typisches Klanggerüst.

Denn diese Band ist nun mal wie ein guter Freund. Einer, dessen alte Geschichten und dessen Stimme oft ausreichen, um das überfordernde Chaos einmal mehr beiseitezuschieben, und der das Alltägliche darunter besonders und beruhigend erscheinen lässt.

Element of Crime: „Schafe, Monster und Mäuse“ (Vertigo Berlin), Wertung: 4/5 Sterne

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