Deppert, urig und herrlich komisch: Gerhard Polt und die Biermösl Blosn in Vellmar

Neues aus Bad Hausen

Sie wollen wir bald wiedersehen: Kabarettist Gerhard Polt (oben) und die Biermösl Blosn mit (unten von links) Michael, Hans und Christoph Well. Fotos: Fischer

Vellmar. Drei Jahrzehnte urbajuwarische Spaßkultur sorgten am Mittwoch in der voll besetzten Mehrzweckhalle in Vellmar-Frommershausen für eine Kabarett-Gaudi der Sonderklasse. Die Botschafter: Gerhard Polt und die Biermösl Blosn. Zehn Jahre ist es her, dass diese gescheiten Deppen aus München in dieser Konstellation in Kassel gastierten. Ein Stoßgebet, dass bis zur nächsten Begegnung weniger Zeit vergehen möge.

Schon beim ersten Blick auf die Bühne machten sich die Lachmuskeln bereit: Der eine findet beim Stimmen seiner Harfe kein Ende, die beiden daneben räuspern sich, und der Vierte im Bunde, Gerhard Polt, flezt sich wie ein Sack Kartoffeln auf seinem Stuhl und mimt den Schlafenden. Zum Auftakt einen „schönen Gruß von der bayerischen Staatsregierung“ und ein mundartgefärbter Sprechgesang über das „schöne Frommershausen im fernöstlichen Nordhessen“.

Polt erwachte, schlurfte wie einer, der gerade eine Nacht auf einer Parkbank zugebracht hatte, zum Mikro und legte los: „Liiebää Kurgäässste. Wir hier in Bad Hausen haben kulturell viel zu bieten. Zum Beispiel Watschentanz und Fingerhakeln.“ Als nächstes folgte die Erklärung, wie der fiktive Kurort zu seinem Namen kam: „Die Augunda wurde im 11. Jahrhundert im Bad erschlagen. Deswegen Bad Hausen. Ihr Unterkiefer ist in Privatbesitz.“

Einlage mit Schuhplattler

Polt war in seinem Element und das Publikum im Lachrausch. So deppert, urig und kauzig, wie der 67-Jährige das bringt, bleibt kein Auge trocken. Keine Frage: Hier lebt eine Bühnenfigur vom Original. Das Gleiche gilt für die Biermösl Blosn. Eine herrlich durchgeknallte Satire-Truppe, die aus ausgezeichneten Musikern besteht und zwischendurch eine Schuhplattler-Einlage hinlegt.

Sie und Polt ergänzen einander großartig. Auch beim Musizieren. Da bekommt Polt ein Glöckchen in die Hand gedrückt oder darf den exotischen Urschrei-Sänger mimen. Die beste Nummern aus drei Jahrzehnten krachten von der Bühne. Mit dabei auch: Polt als vor sich hin nuschelnde Papstkarikatur, dessen Botschaften allerdings köstliche Kabarettmeilen weit vom Schullatein entfernt sind. Frenetischer Applaus und zwei Zugaben.

Von Steve Kuberrczyk-Stein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.