Für Laurie Anderson besteht Leben aus Experimenten - Neue CD

Neues Heimatgefühl

Laurie Anderson Foto:  dpa

Laurie Andersons erstes Album seit „Life on a String“ (2001), ist nicht über Nacht entstanden. Jahrelang hat die gelernte Bildhauerin, die als Performancekünstlerin im New York der Siebziger zu Bekanntheit kam, immer wieder Hand an das Projekt „Homeland“ gelegt - während sie ihren hungrigen Geist gleichzeitig mit allem möglichen von Gartenbaukunst bis zum Erlernen der griechischen Sprache fütterte.

Laurie Anderson schrieb eindringliche Spoken-Word-Stücke wie „Another Day in America“, begleitet sich in der verträumten Ballade „The Lake“ selbst auf der Violine. Oder wird im fast Dancefloor-mäßigen „Only an Expert“ regelrecht aggressiv, „weil ich nicht fassen kann, dass unsere Kultur aus erwachsenen Menschen Kinder macht, denen eingetrichtert wird, sogenannte Experten zu fragen anstatt auf ihren Verstand zu hören“.

Als sie die meisten Songs fertig hatte, ging sie mit ihnen auf Tour, verwarf einige und passte die Platte, die als Abrechnung mit der „Bush-Kultur aus Angst und Kontrollwahn“ gedacht war, an die sich verändernden politischen Verhältnisse in ihrem Land an. Nach Obama tarierte die 63-Jährige die Balance zwischen Politik und Privatem nicht nur auf „Homeland“ neu aus, indem sie persönliche Stücke wie „Thinking of you“ oder „Strange Perfumes“ hinzufügte. Sondern auch im Leben. Anderson heirate ihren Lebensgefährten Lou Reed, mit dem sie seit fast 20 Jahren zusammen ist. „Ich war in Kalifornien, er in New York, und wir unterhielten uns am Telefon darüber, was wir alles noch gern im Leben machen würden.“ Laurie würde gern ihr Physikwissen vertiefen. Mehr Zeit draußen an der frischen Luft verbringen. „Ach ja, und dann sagte ich noch zu Lou ‚Geheiratet haben wir auch nie’“.

Nach dessen hingegranteltem „Okay, dann lass es uns tun“, gab sich das Paar am nächsten Tag in Boulder/ Colorado das Eheversprechen.

Laurie Anderson: „Homeland“ (Warner), Wertung: !!!!:

Von Steffen Rüth

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