Neues Musical „Die letzten fünf Jahre“ im Tic

Zwei tolle Hauptdarsteller: Cathy (Wiebke Wötzel) und Jamie (Karsten Kenzel) im neuen Tic-Musical. Foto: Koch

Kassel. „Jamie ist fort, er kommt nicht zurück und sucht woanders sein Glück.“ Enttäuscht sieht die junge Frau aus, traurig, desillusioniert. Sie singt mit Wehmut in der Stimme über ihr zerronnenes Glück. Auch mit Durchhalteparolen wie „mit Liebe schaffen wir das“ war es nicht zu halten.

Ein melancholischer Auftakt – ungewöhnlich für ein Musical des „Theater im Centrum“ (Tic). „Die letzten fünf Jahre“, ein Zwei-Personen-Musical mit Musik und Texten aus der Feder von Jason Robert Brown feierte am Freitag vor fast ausverkauften Rängen eine gelungene Premiere.

Mit legendären Hits legendärer Interpreten oder Stoffen, die auf der Kinoleinwand begeisterten, entzückt das Tic seit mehr als zehn Jahren sein Publikum - ein Erfolgsrezept mit Partygarantie. Mit „Die letzten fünf Jahre“ werden andere Töne angeschlagen: sanfte, sensible, melancholische, menschliche. Ein Schritt, ein Schnitt, der Mut beweist. Mal weg vom alten Erfolgsmuster. Offen sein für ein musikalisches und emotionales Kleinod wie dieses.

Zwei tolle Hauptdarsteller, zwei tolle Stimmen, gefühlvolle Musik. Theaterkunst, die mit einem Lächeln und einem feuchten Schimmern in den Augen für Berührungen sorgt. Neu auch, dass die Musik dazu live eingespielt wird von einem kleinen, sehr feinfühlig aufspielenden Sextett: Violine, zwei Celli, Bass, Klavier, Gitarre.

Im Mittelpunkt: Jamie (Karsten Kenzel) und Cathy (Wiebke Wötzel). Er ein jüdischer Schriftsteller, eine optimistische Frohnatur, der gerade die Karriereleiter hochsaust, sie eine Musicaldarstellerin ohne Selbstvertrauen und Fortune. Kontraste, die die junge Ehe belasten, für Risse sorgen und schließlich für das Ende der Beziehung: „Ich kann dich nicht retten, nur lieben“, bilanziert Jamie zum Schluss und das Publikum trauert mit, so authentisch und liebevoll menschlich spielen und singen die beiden.

Lob auch für das Bühnenbild von Olliver Doer und die Regie von Michael Fajgel. Der Clou: verschiebbare Rückwände setzen zwei Fahrstuhlkabinen in Szene und sorgen für Symbolgehalt: ein Paternoster des Auf und Ab dieser Beziehung. Fazit: Gefühlstheater mit Niveau und wunderschöner Musik. Lang anhaltender Applaus.

Bis 19.10., nächste Termine am 12./13./14.9., 19.30 Uhr, Akazienweg 24, Tel. 0561/7018722, www.theaterimcentrum.de

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