Adelle Waldmans Erfolgsroman

„Das Liebesleben des Nathaniel P.“ gibt es jetzt auf deutsch

Autorin mit scharfem Blick: Adelle Waldman. Foto: privat/nh

In den 1970-er-Jahren hat Woody Allen mit Filmen wie „Der Stadtneurotiker“ und „Manhattan“ die Beziehungskrisen New Yorker Intellektueller auf amüsante Weise aufgespießt.

Knapp 40 Jahre später ist es ein Roman, der seit Monaten in den USA als Sittengemälde der New Yorker Hipster im 21. Jahrhundert gefeiert wird und jetzt auf Deutsch erschienen ist: Adelle Waldmans (38) Debütroman „Das Liebesleben des Nathaniel P.“.

Nathaniel Piven („Nate“) ist der Antiheld dieses Romans. Er hat die 30 überschritten, schlägt sich in Brooklyn als freier Journalist mit Rezensionen und gesellschaftskritischen Essays durch und hat eben ein Buch beendet, das ihm zum eigenen Erstaunen einen sechsstelligen Vorschuss einbrachte. Als Sohn jüdischer Einwanderer aus Rumänien und Harvard-Absolvent passt er bestens ins Booklyner Milieu junger Kreativer mit seiner ausufernden Dating-Szene. Man ist ständig auf der Suche nach der perfekten Frau, dem perfekten Mann, oder zumindest nach einem Sexpartner, betont aber stets, man suche „im Moment nichts Festes“.

Nathaniel, der eben eine unangenehme Affäre, die mit einer Abtreibung endete, hinter sich hat, lernt bei einer Party die Frau kennen, mit der alles anders zu werden verspricht: Hannah, ebenfalls Journalistin, gut aussehend, selbstbewusst, empathisch. Warum es dennoch bald schon schwierig wird, weiß Nate selbst nicht so recht. Er, der die Kommunikationsregeln des postfeministischen Zeitalters aus dem Effeff beherrscht, regiert zunehmend genervt und fies auf Hannahs Gegenwart – und fragt sich in klaren Momenten selbst, warum er sich wie ein Arschloch verhält.

Als die Beziehung zerbricht, ist Hannah komplett verunsichert und weiß nicht, wie ihr geschieht. Was ist nun mit der neuen, korrekten Beziehungswelt? Adelle Waldman moralisiert nicht, sie beschreibt präzise sezierend Gespräche und Beziehungssituationen, schafft aber auch immer wieder fast slapstickartige Momente und umgibt das unglückliche Paar mit einer Reihe von wunderbar gezeichneten skurrilen Typen.

Das Scheitern der Beziehung von Nate und Hannah ist übrigens nicht das letzte Wort in diesem Roman, der sehr gut lesbar ist und einen perfekten Filmstoff abgäbe. Als Gesellschaftsstudie wäre er aber überbewertet. Dazu ist das vorgestellte Personal zu eindimensional: lauter weiße heterosexuelle Intellektuelle um die dreißig, die, wenn sie sich zu Paaren zusammenschließen, selbstverständlich kinderlos bleiben.

Adelle Waldman: Das Liebesleben des Nathaniel P., Liebeskind, 304 S., 19,90 Euro. Wertung: vier von fünf Sternen.

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