"Das nächste Kapitel der Musik"

Neues Streaming-Angebot: Auch Apple schwimmt im Strom

Musik-Fans können bereits jetzt aus 20 Streaming-Diensten auswählen. Nun startet auch Apple sein Angebot. Viel mehr als Spotify und Co. bietet der iPhone-Hersteller allerdings auch nicht.

Wenn Apple etwas Neues vorstellt, muss es etwas Großes sein. Diesmal kündigte Konzernchef Tim Cook auf der Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco den Streaming-Dienst Apple Music und „das nächste Kapitel der Musik“ an. Ist es das wirklich? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was ist Streaming überhaupt?

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Anders als beim Musik-Download werden hier keine Dateien heruntergeladen und dauerhaft gespeichert. Es gibt einen ständigen Strom von Daten - daher Streaming. Anbieter wie der schwedischePionier und Marktführer Spotify halten 25 Millionen Songs parat. Die gibt es umsonst mit Werbeunterbrechung und eingeschränkten Funktionen oder für etwa 10 Euro im Monat auf das Smartphone, das Tablet oder den PC. Für Musik-Fans sind Streaming-Dienste das Paradies, weil man immer Neues entdecken kann. Die Musik hört niemals auf.

Und was bietet Apple mit seinem neuen Dienst? 

Kaum etwas, was andere nicht auch hätten. Das Abo-Modell soll am 30. Juni starten und für 9,99 Dollar pro Monat Zugriff auf 30 Millionen Songs bieten. Zudem gibt es in der Musik-App für Apples Betriebssystem iOS einen eigenen Radiosender. Kuratierte Künstlerseiten sollen den Hörer an die Hand nehmen. Wer will, kann seine Songs per Sprachsteuerung auswählen. Attraktiv ist das Familien-Abo für bis zu sechs Mitglieder (14,99 Dollar).

Früher setzte Apple Trends wie etwa 2003, als es mit seinem Online-Store iTunes die Musikindustrie revolutionierte. Beim Streaming holt der iPhone-Hersteller nun verspätet auf. Zudem verzichtet er auf ein kostenloses Freemium-Modell, wie es viele der etwa 20 Dienste in Deutschland haben.

Muss man beim Streaming immer online sein? 

Im Prinzip nicht. Alle Bezahlangebote beinhalten einen Offline-Modus, in dem Songs auf dem Gerät gespeichert werden. Wer den Dienst jedoch uneingeschränkt nutzen will, muss online sein.

Obwohl die Klangqualität schlechter als bei einer CD ist, verbraucht Streaming enorm viel Daten - pro Minute etwa ein Megabyte. Bei den meisten Handy-Tarifen wird die Geschwindigkeit jedoch nach 500 Megabyte pro Monat gedrosselt. Streaming wird dann unmöglich. Daher empfiehlt sich ein Tarif wie etwa der der Telekom, bei dem Spotify-Daten nicht eingerechnet werden.

Kann man damit Geld verdienen? 

Das weiß niemand. Selbst der Marktführer Spotify machte im Vorjahr 197 Millionen Euro Verlust. Das liegt vor allem daran, dass nur ein Viertel der 60 Millionen Nutzer für den Dienst bezahlt. Andererseits verzeichnete der Bundesverband Musikindustrie im März im deutschen Streaming-Markt eine Steigerung von 78,6 Prozent. Dagegen gingen Downloads zurück, was vor allem Apple traf. Viele in der Branche hoffen nun, dass die Kalifornier mit ihrer Marktmacht die Leute zum Bezahlen erziehen.

Was sagen die Künstler zu den neuen Diensten? 

Einige klagen seit Langem, dass sie zu wenig Geld von den Streaming-Anbietern erhalten. Spotify schüttet angeblich immerhin 60 Prozent seiner Einnahmen an die Rechteinhaber aus. Die Leipziger Band Marbert Rocel rechnete gerade vor, dass sie in einem halben Jahr 3000 Euro von Spotify bekam - nicht schlecht für einen Underground-Act.

Auch beim Kasseler Label Lichtdicht Records (Milky Chance) ist man zufrieden. „Spotify bietet eine krasse Werbe-Plattform“, sagt Geschäftsführer Tobias Herder, „man muss es nur richtig nutzen.“

Andere Anbieter

Spotify 

- Abopreis: 9,99 Euro im Monat

- Apps: für Android, iOS, Windows Phone, Blackberry

- Besonderheit: In der Spotify-Heimat Schweden verdient die Musikindustrie mehr als 70 Prozent ihrer Einnahmen über Streaming.

Deezer 

- Abopreis: 9,99 Euro im Monat

- Apps: für Android, iOS, Windows Phone, Blackberry

- Besonderheit: Die Franzosen haben die Kunden des deutschen Dienstes Simfy übernommen, der sein Angebot im Mai einstellen musste - es lohnte sich nicht.

Apple Music 

- Abopreis: 9,99 Dollar im Monat

- Apps: für iOS, Android (geplant)

- Besonderheit: Kein Gratisangebot, dafür Familien-Modell (14,99 Dollar) und drei Probemonate kostenlos 

Tidal 

- Abopreis: 9,99 Euro im Monat

- Mobil-Apps: Android, iOS

- Besonderheit: kein Gratisangebot, dafür gibt es für 19,99 Euro Hifi-Qualität. Außerdem schüttet der Dienst 75 Prozent seiner Einnahmen an Künstler aus.

Weitere Anbieter: Napster, Juke, Rdio, Google Play, Xbox Music

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