Ausstellung über Kunst in Los Angeles im Gropius-Bau

Neuland zu entdecken

Lichtdurchflutet: „A Bigger Splash“ von David Hockney, 1967 Acryl auf Leinwand. Foto:  Gropius-Bau/ Tate Gallery, London

Berlin. Action-Maler Jackson Pollock und Pop-Artist Andy Warhol revolutionierten die Kunstwelt. Beide Künstler machten die New Yorker Kunstszene weltberühmt. Doch was geschah zur gleichen Zeit an der amerikanischen Westküste? Im sonnigen Kalifornien wirkten Künstler wie John Baldessari (immer noch), David Hockney und Ed Ruscha. Nur sind neben ihnen andere weniger im Kunstgedächtnis verankert, die Entwicklung der Szene in Los Angeles kaum bekannt.

Abhilfe schafft da nun die Ausstellung „Pacific Standard Time“. Mit Hilfe der im Getty Research Institut geleisteten, zehnjährigen Forschungsarbeit wird Kunst in Los Angeles von 1950 bis 1980 am Beispiel von über 50 Künstlern mit gut 70 Werken im Berliner Martin-Gropius-Bau vorgestellt, der einzigen Station dieser außergewöhnlichen Schau in Europa. Neben international verankerten Künstlern wie Sam Francis sind es vor allem die Entdeckungen, die den Rundgang interessant machen. Da rahmen etwa Vija Celmins in realistischer Feinmalerei 1966 gepinselte „Autobahn“ und ein abstraktes Gemälde Judy Chicagos den Platzhirsch „Mann beim Duschen“ von David Hockney - zwei Frauen, die in der machohaften Szene kaum hochkamen.

Dass auch an der Westküste, sozusagen im Stillen, Beachtliches geleistet wurde, verdeutlichen unter anderem die Räume mit Hard-Edge-Malerei und Keramikskulpturen von Ken Price und Henry Takemoto oder die experimentierfreudigen Collagen.

Eine keramische Wand in Blau von John Mason begeistert, ein völlig neues Genre, überhaupt die Mischung aus Kunst und Handwerk, bisweilen sogar begleitet von kritischen Inhalten. Da räumt vor allem Edward Kienholz, der ab 1973 zeitweise in Berlin lebte, mit den Klischees von Surf-Kultur und Sonnenschein auf.

Eingangs empfangen den Besucher Louis Hocks Filminstallation von Südkalifornien, dem Land der Palmen und des Meeresrauschens, vor allem auch der unaufhörlich fließenden Verkehrsströme und Häuseransammlungen, sowie prägnante Promi-Fotos von Dennis Hopper.

Wie sich zeigt, sieht die Geschichte der modernen Kunst anders aus, wenn man sie von der kalifornischen Seite aus betrachtet: ein helles Leben, in Licht getaucht und Farben, dazu viel Experimentierfreude, Formbewusstsein und ein wenig Gesellschaftskritik.

Bis 10. Juni im Martin-Gropius-Bau, Tel. 030/254 86-0.

Von Andrea Hilgenstock

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