Hommage an eine musikalisch fruchtbare Stadt

„New York Rhapsody“: Album von Starpianist Lang Lang und prominenten Kollegen

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Findet nicht nur die Glitzerwelt von „Big Apple“ interessant: Pianostar und Wahl-New-Yorker Lang Lang.

New York. Wie klingt New York? Viele Künstler haben ihre Liebe zu dieser Stadt bekundet. Am bekanntesten ist vielleicht der Song „New York, New York“ von Frank Sinatra, der die Stadt auch gleich zur Welthauptstadt erklärte.

Gerade diesen Titel aber haben der chinesische Starpianist Lang Lang (34), Wahl-New-Yorker seit 2007, und der amerikanische Musikproduzent Larry Klein (57) auf ihrem jetzt bei Sony Classical erschienenen Album „New York Rhapsody“ ausgelassen. Er schien ihnen vermutlich zu klischeebeladen.

Es ist nämlich ein ganz besonderes Projekt, für das Larry Klein, Ex-Mann von Joni Mitchell, Lang Lang begeisterte: Ein musikalisches Porträt dieser auch musikalisch so fruchtbaren Stadt zu zeichnen, das nicht nur den Glamour, sondern auch die Härte und die dunklen seiten dieser Stadt zeigt. Am Spannendsten daran ist, dass Lang Lang, der bisher ausschließlich als klassischer Pianist in Erscheinung getreten ist, sich hier mit Musikern wie dem Jazz-Guru Herbie Hancock und Gesangsstars wie Jason Isbell und Andra Day, Kandace Springs und Lisa Fischer zusammengetan hat.

Eingerahmt wird das Album von zwei Stücken Aaron Coplands – „Story of Our Town“ und „In Evening Air“. Straßengeräusche ertönen, ehe Lang Lang zu sanften Keyboard-Klängen mit einer versonnenen Piano-Meditation einsteigt. Das Arrangement von Vince Mendoza, der die meisten Stücke eingerichtet hat, vermittelt gleich zu Beginn jene Atmosphäre von Einsamkeit und Größe, die viele New-York-Besucher erfahren.

Kernstück des Albums sind jedoch die 22 Minuten von George Gershwins „Rhapsody in Blue“ für zwei Klaviere und Orchester (es spielt das London Symphony Orchestra unter John Axelrod). Die Faszination dieser Stadt leuchtet auf, wenn die Klarinette ihr berühmtes Glissando anstimmt und sich Lang Lang und Herbie Hancock pianistisch die Bälle zuwerfen – Hancock der subtile Jazz-Musiker und Lang Lang der klanglich brillante Techniker.

Ein weiteres Glanzstück dieser Hommage an „Big Apple“ ist der Alicia-Keys-Song „Empire State of Mind“ mit der melancholischen Stimme von Andra Day und dem zwischen Lockerheit und Intensität balancierten Spiel von Lang Lang. Ob es dann Billy Childs’ brillantes Klavier-Trompete-Arrangement des Bernstein-Hits „Tonight“ aus der „West Side Story“ ist oder das raffiniert-unheimliche Spiderman-Thema: Es entsteht ein reichhaltiges musikalisches Kaleidoskop New Yorks, das mit dem Begriff Crossover nur unzureichend beschrieben wäre.

Nicht alles ist gleichermaßen gelungen. Aber auch wenn das Zusammenrühren von Leonard Bernsteins Song „Somewhere“ mit Lou Reeds „Dirty Blvd.“ zu einem Titel nicht ganz überzeugt – das Album wird seinen Weg machen.

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