Geheimabsprachen oder nicht:

Newtopia lockt immer weniger Zuschauer vor den Fernseher

Denken über „Newtopia 2.0“ nach: Diellza und Derk suchen nach einem neuen Konzept, um Geld zu verdienen. Foto: sat.1

Dösende Kühe und Natur pur: 33 Stunden lang bekommen die Zuschauer im Internet-Live-Stream, der rund um die Uhr das Leben der „Newtopia“-Kandidaten zeigen soll, nichts anderes zu sehen.

Denn hinter den Kulissen der Reality-Soap kracht es gewaltig. Streitpunkt sind die von Sat.1 geschaffenen Regeln, die es in „Newtopia“ – einer neuen Welt ohne Vorschriften – eigentlich nicht geben dürfte. Denn das Konzept Reality-TV verlangt offiziell, die Kandidaten sich selbst zu überlassen. In „Newtopia“ waren Mitte Februar 15 Menschen auf einem zwei Hektar großen Gelände ausgesetzt worden, um in einer leeren Scheune eine Zivilisation zu gründen. Als Starthilfe gab es zwei Kühe, 25 Hühner und 5000 Euro für eigene Projekte.

Mission gescheitert: Als die Kameras nach der Langzeit-Sendepause wieder online gehen, hat die „neue Welt“ im brandenburgischen Zeesen sechs Teilnehmer weniger. Doch im selben Atemzug verkündet Sat.1, an „Newtopia 2.0“ zu arbeiten. Die Show solle „wie Phönix aus der Asche neu erblühen“. Wann und mit welchen Regeln der Neustart ansteht, lässt der Sender offen.

Doch eins machen insbesondere die Zuschauerzahlen deutlich: Ein Neubeginn der Reality-Soap muss bald passieren. Denn was für Sat.1 mit 2,83 Millionen Zuschauern als erfolgreichster TV-Start seit 2009 auf dem 19-Uhr-Sendeplatz begann, entwickelt sich immer mehr zum Desaster. Nur noch die Hälfte der Zuschauer sieht montags bis freitags „Newtopia“. Außerdem macht das Gesellschaftsexperiment als „Scripted Reality“ und „Fake-topia“ Schlagzeilen.

Das ließ aber im Vorfeld bereits die Kandidatenauswahl mit hohem Konfliktpotenzial erahnen: Von der Krawallmaus (Tatjana) über den Typ zum Anlehnen (Lenny) hin zum Wildpinkler (Candy) ist nahezu jedes menschliche Klischee vertreten. Als die Zuschauerzahlen trotzdem im Keller bleiben, hält eine Produktionsmitarbeiterin ein Nacht-und-Nebel-Treffen mit den Kandidaten ab. Obendrein soll die Produktionsfirma regelmäßig Mitarbeiter als Besucher getarnt auf das Gelände einschleusen. Auch ein Spontan-Kuss zwischen zwei Kandidaten war wenig spontan – die beiden kannten sich schon vor „Newtopia“. Zuletzt legten Sat.1 und die Produktionsfirma die Übertragung für das eingangs genannte Krisentreffen lahm. Die Kandidaten hatten sich geweigert, einen Mitstreiter aus „Newtopia“ herauszuwählen.

An dieser Stelle hat der Risikofaktor Mensch die „Newtopia“-Macher nicht nur ausgetrickst, sondern in ihrer Glaubwürdigkeit erschüttert. Dennoch: Das ominöse „Newtopia 2.0“ soll kommen. Die übrigen Teilnehmer wollen das Neue-Welt-Projekt wiederbeleben, an ihrem angekratzten Image und den miesen Quoten arbeiten. – Details, von denen die Kandidaten nur in der 33-stündigen Sendepause erfahren haben können. Nicht aber die Zuschauer. Die sahen Kühe ihr Heu kauen.

Fakten rund um die Sendung

• Erfinder der Reality-Soap ist der holländische TV-Manager John de Mol, der durch die Container-Show „Big Brother“ bekannt wurde.

• 105 Kameras und 57 Mikrofone begleiten die „Newtopia“-Kandidaten rund um die Uhr.

• 8187 Kandidaten haben sich in Deutschland für das Neue-Welt-Experiment beworben. 15 davon durften am 23. Februar in „Newtopia“ einziehen.

• Die Pioniere leben 40 Kilometer von Berlin entfernt in der brandenburgischen Gemeinde Königs Wusterhausen.

• Kandidaten und Zuschauer benennen alle vier Wochen drei Wackelkandidaten. In dieser Nominierungsphase ziehen zwei neue Kandidaten ein. Wer von ihnen bleibt, entscheiden die Pioniere. Der Neue wiederum bestimmt, welcher der drei Alt-New-topianer ausscheidet.

Lesen Sie auch:

- Nach Kandidaten-Aufstand: "Newtopia" in tiefer Krise

- Zensur-Skandal bei Newtopia: Pioniere ziehen aus

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.